Er zeigt Filme an (fast) jedem Ort

Ein Cineast, der seine Leidenschaft weitergeben möchte: Holger Kraus. Foto: cvs

Karolinenviertel: Holger Kraus ist seit fünf Jahren mit seinem mobilen Kino unterwegs

Von Christopher von Savigny, Karolinenviertel – Der passende Ort zum passenden Film: Seit fünf Jahren zieht Holger Kraus mit seinem mobilen Kino durch die Hansestadt, immer auf der Suche nach der perfekten Location für den nächsten Kinoabend. Ob „Das Totenschiff“ auf der Cap San Diego, „Der Glöckner von Notre Dame“ in der Katharinenkirche oder „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ im Mineralogischen Museum – an interessanten Orten scheint in Hamburg wirklich kein Mangel zu herrschen. An interessanten Filmen ebenso wenig: „Filme sind meine Leidenschaft“, sagt Kraus, der seine Büroräume im alten Schlachthofgebäude im Karolinenviertel hat.
Mobiles Kino – warum macht man so etwas eigentlich? Wird das Filmerlebnis intensiver, wenn die Location stimmt? „Ja“, sagt Kraus. „Ich erlebe es immer wieder, dass die Besucher auch nach der Vorführung noch im Film sind. Anschließend ergeben sich oft spannende Gespräche.“ Häufig hilft er auch noch ein bisschen nach – zum Beispiel, wenn er, wie bei Ingmar Bergmans „Das siebente Siegel“, Trockeneis schmelzen lässt. Bei anderer Gelegenheit gingen schonmal Böller hoch. „In die Filmrezeption eingreifen“ sagt Kraus dazu. Essen und Getränke sind ebenfalls Teil des Kinoabends – und auch da muss es selbstverständlich passen: Zu „Moby Dick“ gibt es weißen Punsch und zur „Feuerzangenbowle“ den entsprechenden heißen Fusel.
Durchschnittlich zwei- bis dreimal im Monat lädt Kraus an einen neuen Kinoort ein. Der größte war bislang die Katharinenkirche mit 350 Besuchern, der kleinste ein Zirkuswagen mit zwölf Plätzen. Acht Euro kostet der Eintritt pro Nase, Speisen und Getränke gehen extra. „Reich wird man damit nicht“, sagt Kraus, der früher als Eventmanager gearbeitet hat. „Dafür kann ich machen, was mich interessiert.“ Lieblingsfilme? „Habe ich nicht“, sagt der leidenschaftliche DVD-Sammler. „Aber ich zeige nur Filme, die mich packen.“
Die Kulturbehörde förderte Kraus' Kinoraum im Karoviertel, den "Projektor", mit einem einmaligen Zuschuss zur Einrichtung, von der Handelskammer gab's vor fünf Jahren den Existenzgründerpreis. Mit den „Buddenbrooks“ in Lübeck beginnt demnächst eine Vorführreihe außerhalb Hamburgs.
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