Einkaufen mit Hindernissen

Robbie Sandberg (42) ist seit seinem dritten Lebensjahr blind. Eine Einkaufs-Tour ist für ihn mit reichlich Hindernissen verbunden. (Foto: ap)

Ein Blinder erzählt, wie er sich an der Osterstraße zurechtfindet

Aimée Polzin, Eimsbüttel – Lebensmittel kaufen: Das ist für die meisten Mitmenschen einfach. Robbie Sandberg (42) aber klappt zuerst den Blindenstock aus – seit seinem dritten Lebensjahr kann er nichts mehr sehen. Innerhalb von zwei Wochen wurde damals alles
düster, erzählt er. Inzwischen hat er gelernt, seinen Alltag als Blinder zu bewältigen. Dabei versucht er, so selbstständig wie möglich zu leben.
Unterwegs an der Osterstraße: Sandberg kauft bei kleineren Händlern oder online ein. In einem großen Supermarkt müsste er erst einen Mitarbeiter finden, der ihm hilft. Einfacher ist es daher bei Geschäften mit überschaubarem Angebot. Um sich Käse, Kaffee und Gemüse zu besorgen, geht Sandberg in drei verschiedene Läden.
Er orientiert sich mithilfe des Gehör-, Tast- und Geruchssinns. Gewohnheit spielt eine entscheidende Rolle. Anhand des Bodenbelags oder des Schalls, der sich bei Einfahrten und Eingängen ändert, findet Sandberg die einzelnen Geschäfte. Auch ein günstiger Wind ist von Vorteil.
Nebengeräusche erschweren den Weg. Orientierung bieten da Häuserwände. Doch es ist auf der Osterstraße etwas kompliziert, sich immer am Rand entlang zu „hangeln“. Um beispielsweise zum Käseladen zu gelangen, muss Sandberg die Plakatständer umgehen, die nicht umsonst auch den Namen „Kundenstopper“ tragen. Ein Zickzack-Kurs angesichts der vielen Menschen, die vorbei möchten oder vor dem Café sitzen. „Man will den Leuten nicht auf dem Tisch landen, aber man darf auch nicht den Eingang verfehlen“, so Sandberg.
Mit Fahrradfahrern gibt es oft Ärger, denn der Fahrradweg lässt sich für Blinde nur schwer vom Fußweg unterscheiden. Folge: er blockiert ihn. Sandberg ärgert es, wenn eine Bushaltestelle aufgrund von Bauarbeiten verlegt wird oder wenn Busse nicht lange genug anhalten. Statt von weitem die Buslinie zu erkennen, muss er nämlich immer erst vorne in den Bus steigen und den Fahrer nach der Nummer fragen. Ist es der falsche und er steigt aus, ist der richtige nicht mehr da. So hat er schon dreimal hintereinander seinen Bus verpasst. Trotz alledem: meistens sind die Menschen hilfsbereit.
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