Eine unendliche Säule für Stellingen

Feinarbeit mit Beitel und Knüpfel (Stahlmesser und Hammer): Clarissa (l.) und Marie von der Stadtteilschule Stellingen.

Stadtteilschule Stellingen: Kunstkurs arbeitet an imposanter Holzskulptur

Späne liegen auf dem Boden, es riecht nach Holz. Tock, tock, tock. Es wird gehämmert und gehämmert im Kunstraum der Stadtteilschule Stellingen. Schüler des Kunstprofils arbeiten mit einem Holzbildhauer an einer fünf Meter hohen Skulptur. Im Frühjahr soll das Kunstwerk vor der Schule aufgestellt werden.
Volker Lang guckt aufmerksam zu, wie die Schüler vorankommen. Clarissa und Marie (beide 19) schlagen die Umrisse eines Herzens in das Holz. Ihre Werkzeuge sind Beitel und Knüpfel – also ein scharfes Stahlmesser und ein runder Hammer. Ins Lärchenholz sind viele Muster geschnitzt worden. Kontinente wie Europa und Australien, mythische keltische Symbole. An einer Ecke prangt das abgewandelte Eimsbütteler Wappen mit Wasserturm, Elefant und Kogge.
Die Holzskulptur wiegt etwa 300 Kilogramm. Um sie umzudrehen, müssen alle Schüler mit anpacken. Der Stamm ist bei Vollmond im Wald geschlagen worden. „Dann hat das Holz am wenigsten Feuchtigkeit“, weiß Lang. Die Stellinger Holzstele ist nach dem Vorbild des rumänisch-französischen Künstlers Constantin Brancusi entstanden. „Er verband Elemente der rumänischen Volkskunst mit der Moderne“, erzählt Lang. Eines der bekanntesten Werke Brancusis ist eine 30 Meter hohe Skulptur, die in den Südkarpaten steht. Das Werk soll die Unendlichkeit darstellen. So wie auch in Stellingen eine „unendliche Säule“ in den Himmel ragen soll.
Das Kunstwerk wird mit einem Fundament aus Beton und Stahl im Boden befestigt. Es soll vor dem neuen Mensagebäude der Stadtteilschule aufgestellt werden. Bevor es so weit ist, wird Lang die Skulptur noch mit Leinöl gegen Wind und Wasser schützen. Schließlich soll das Kunstwerk lange erhalten bleiben. Vielleicht nicht unendlich lang, aber doch viele viele Jahre.

Constantin Brancusi
Constantin Brancusi (geboren 1876) stammte aus Rumänien, er lebte und arbeitete seit 1904 in Paris. Der Künstler wird der Avantgarde zugeordnet, er zählt zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Die endlose Säule, nach deren Vorbild die Stellinger Schüler arbeiten, steht seit 1937 in Targu Jiu in Rumänien. Sie gehört zu einem dreiteiligen Ensemble, das als Kriegsdenkmal gedeutet wird. Diese Arbeit gilt als das bekannteste Werk des Künstlers. Brancusi starb 1957 in Paris.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.