Eine Hundertjährige erzählt

Kommt zu Hause noch gut allein zurecht: Margarete Schwahn in ihrer Wohnung in Eimsbüttel. (Foto: Stein-Kanjora)

Margarete Schwahn aus Eimsbüttel wird 100 Jahre alt

Gardy Stein-Kanjora, Eimsbüttel

Ihr Geburtstag interessiert sie nicht sonderlich, die ganze Feierei ist ihr zu anstrengend. Aber da ist ihre Familie wohl anderer Meinung: 100 Jahre werden gefeiert. So alt wird Margarete Schwahn am Freitag, 1. Juli – ein Besuch bei einer der ältesten Eimsbüttelerinnen.
„Mich so betüdeln lassen, das mag ich nicht!“, stellt sie gleich zu Beginn klar. Sie kommt größtenteils allein zurecht. Beim Putzen, Einkaufen und Kochen hilft jemand, aber sonst bestimmt die Eimsbüttelerin selbst, was in ihrer Wohnung läuft. Seit 1943 wohnt Margarete Schwahn in Eimsbüttel am Schlump.

Sie war Verkäuferin, ihr Mann Einkäufer bei Karstadt

Zwei Weltkriege hat sie er- und überlebt, die schweren Nachkriegsjahre, kalte Winter ohne Strom und fließend Wasser sowie die Sturmflut 1962. Viele Nächte musste sie mit ihrer Familie im hauseigenen Luftschutzkeller oder im Bunker an der Henriettenstraße verbringen. Sie gewährte ihren zwei Großmüttern Obdach, deren Häuser ausgebombt wurden. Die meis-ten Freunde und Verwandten sind schon lange tot, auch ihr Mann ist bereits 1982 gestorben.
Aber auch auf schöne Erinnerungen, wie ihre glückliche Ehe, die Geburt der gemeinsamen Tochter, zwei Brasilien-Reisen und regelmäßige Tanzzirkel mit Freundinnen kann sie zurückblicken: „Wir sind oft in Oevelgönne gewesen, da haben wir sonntags immer Kaffee getrunken und Eis gegessen.“ Sie und ihr Mann arbeiteten bei Karstadt, er war im Einkauf tätig. Margarete Schwahn war elf Jahre Verkäuferin, nach der Heirat blieb sie zu Hause.

Sie hört viel Radio und interessiert sich für Fußball

Überhaupt erinnert sie sich gern an die gute alte Zeit: „Früher war das nicht so aufwändig. Die Leute waren ärmer, aber fröhlicher. Und gesünder! Heute ernähren sich die Leute anders, mit diesen großen Ketten und dem vielen Fett. Und sie sind so gierig, müssen alles haben, Fernseher, Auto, Computer ... die Menschen sind nicht mehr zufrieden.“
Auf die Frage, womit sie denn so ihre Zeit verbringt, antwortet sie lachend: „Radio hören, Hörspiele und Dokumentationen. Und Fußball, dafür interessiere ich mich – Beckenbauer, den mag ich ja zu gern. Aber Fernsehen kann ich nicht, ich sehe nicht mehr gut.“
Eine besondere Überraschung wird Margarete Schwahn am Freitag erleben können: Dann ist die gerade geborene Urenkelin zu Besuch bei der 100-Jährigen.
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