Ein Berufsleben in Eimsbüttel

Familienfoto im Ersten Weltkrieg: Machfriede Wölk als Baby mit Mutter Olga, Bruder Ernst August und Vater Helmuth. (Foto: pr)

Machfriede Wölk hat sich in Eimsbüttel hochgearbeitet – am 19. April wird sie 100 Jahre alt

Die Geschäfte, in denen sie arbeitete, sind wie Anker der Erinnerung. Drogerie Ziegler am Hellkamp, Firma Augustin im Karolinenviertel und in Blankenese, der Fischladen des Bruders am Schulterblatt, schließlich das Versicherungsgeschäft, das nun in dritter Generation betrieben wird. Machfriede Wölk (geborene Steenbuck) hat ihre Jugend in Eimsbüttel und im Schanzenviertel verbracht – am 19. April wird sie 100 Jahre alt.
Großgeworden ist sie an der Lutterothstraße und nahe der Apostelkirche, in der Armbruststraße war ihre Wohnung. „Ich erkenne in Eimsbüttel alles wieder“, sagt sie, während sie in Bildern aus ihrem Familienalbum stöbert. Sie lacht, sie zitiert Gedichte, sie erzählt von Ereignissen, als wären sie erst gestern passiert.
Der Vater Helmuth Steenbuck war Tischler, die Mutter Olga Köchin. Machfriede Steenbuck ging auf die Schule Lutterothstraße. Abschluss 1930. „In einer Pause fragte mich eine Lehrerin, ob ich Drogistin werden wollte, dann sollte ich zur Drogerie am Hellkamp gehen.“ Machte sie. Dort begann sie ihre Lehre. Im Arbeitsbuch steht in der Zeile Gewerbe der heute befremdliche Titel „Drogenhändler“ . Damals stellten Drogisten Seifen her, mischten „Drogen“ – also Heil- und Arzneimittel – und entwick-elten Fotos mit Chemikalien.
Ab Ende der 30er Jahre arbeitete Machfriede Steenbuck bei der Firma Augustin, die Geschäfte im Karolinenviertel und in Blankenese hatte. „Da fuhr ich dann immer von der Sternschanze aus mit Bahn und Bus bis an die Blankeneser Landstraße. Das war damals ein weiter Weg.“ Im Hafen holte sie Lieferungen ab, einmal transportierte sie zehn Liter hochprozentigen Alkohol auf dem Fahrrad bis ins Schanzenviertel. Ihr Bruder Ernst August hatte einen Fischladen am Schulterblatt, gegenüber der Flora, da half sie auch ab und an aus.
1945 gründete Machfriede Steenbuck ihre Firma, die bis heute besteht: eine Versicherungsagentur. Anfangs betrieb sie das Geschäft von ihrer Wohnung aus, später mietete sie ein Büro an. Mit Heinz Wölk, den sie 1947 heiratete, baute sie die Agentur aus, machte sie zum Standbein der Familie. Mittlerweile hat nach Sohn Lothar auch Enkelin Sabrina das Geschäft übernommen – in dritter Generation.
Machfriede Wölk lebt seit ein paar Jahren bei der Familie in Schnelsen. „Ich habe eine Firma aufgebaut, ein Kind großgezogen und meinen verstorbenen Mann gepflegt. Ich war vielseitig, habe immer gearbeitet. Und nun sitze ich mal auf dem Balkon in der Sonne.“
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