Eimsbüttels kleinstes Kino

Nachbarschaftskino Filmraum: Zu Beginn der Vorstellung gibt Inhaber Behzad Safari eine kleine Einführung. (Foto: Ben Freier)
 
Die Brüder Behdad und Behzad Safari (v.l.) schmeißen den Laden. (Foto: Ben Freier)
Hamburg: Filmraum |

Der „Filmraum“ bereichert Hamburgs Kinolandschaft seit acht Jahren – aber die finanzielle Basis bleibt prekär. Trotzdem gibt Inhaber Behzad Safari nicht auf.

Von Ben Freier, Eimsbüttel

Behzad Safari könnte manchmal durch die Leinwand gehen. Seit acht Jahren versucht der gebürtige Iraner sein kleines Kino in Eimsbüttel finanziell auf sichere Beine zu stellen. Aber es bleibt ein schwieriger Kraftakt, den Betrieb am Laufen zu halten. 40 Plätze, ein Programm mit ungewöhnlichen Filmen, die es in den großen Kino-Palästen nicht zu sehen gibt: Der Filmraum zieht nicht die Massen an, aber er steht für ein Stück einzigartige Kinokultur in Hamburg. Wer sich für anspruchsvolles Autorenkino interessiert und den neuen James Bond einfach Bond sein lässt, der ist hier genau richtig. „Das wissen leider nur zu wenig Leute“, seufzt Safari. Ohne seine angrenzende Gastronomie, das Lokal „Zeitraum“, hätte er den „Filmraum“ schon längst aufgeben müssen. „Die Arbeit steht in keinem Verhältnis zum Ertrag“, so der Inhaber. Finanzielle Hilfe seitens der Kulturbehörde gibt es nicht.

Ein Kinoabend ist wie ein Heimspiel für Safari

Doch der studierte Film- und Musikwissenschaftler lässt nicht locker. Anfang 2008 versuchte er es noch mit zwei Läden, dem Kino und nebenan der „Filmothek“. 2014 musste Behzad den angrenzenden Filmverleih schließen. „Heutzutage kann man mit dem Verleihen von Filmen kein Geschäft mehr machen, der Erlös war zum Schluss so gering, das ich nicht mal mehr die Miete rein bekommen habe“. Seit zwei Jahren konzentriert sich der Filmenthusiast nun auf seine Kernkompetenz: Er bringt gute Filme nach Eimsbüttel. Jeden Monat werden vier verschiedene Autorenfilme gezeigt, außerdem sind drei- bis viermal im Monat internationale Kurzfilme am Start.
Wie gut Safari im Viertel ankommt mit seiner Art, zeigt ein Abend vor Vorstellungsbeginn an der Müggenkampstraße. Der Kinobetreiber sitzt in einem gemütlichen Sessel vor dem „Filmraum“, ein paar Meter neben ihm rauscht der Verkehr vorbei. Kaum ein Passant geht vorbei ohne zu grüßen, einen kleinen Plausch zu halten oder eben eine Eintrittskarte zu lösen. Im Winken und Abklatschen ist Safari erste Liga. Ein echtes Heimspiel. Und jeder kommt ins Kino, der auch möchte: Ein Besucher hilft einer Rollstuhlfahrerin, die die kleine Stufe zum Kinoraum nicht aus eigener Kraft schafft. Jeder hilft jedem im Nachbarschaftskino an der Müggenkampstraße.

Ein Freundeskreis unterstützt den Filmraum


Dass Safari sein Kinoprojekt trotz aller Widrigkeiten weiter betreiben kann, ist ein gutes Stück seiner hartnäckigen Arbeit zu verdanken, aber auch dem Freundeskreis rund um den Filmraum an der Müggenkampstraße. Nach einem Spendenaufruf kam soviel Geld zusammen, dass der Filmenthusiast weiterhin Kinokunst anbieten kann. Und eine gute Idee kam dazu: Allen privaten Förderern stehen in der Filmothek 4.000 Autorenfilme kostenlos zur Verfügung.
Neulich beim „Short attack“-Abend liefen unter dem Titel „Sportsfreund“ internationale Kurzfilme, die Höchstleistungen in Wasserballett, Aerobic, Fußball, U-Bahn-Turnen, Skaten, Hirscherufen und der Extremsportart Stillhalten zeigten. Das wäre nichts für Safari. Zurzeit sucht er eine neue Räumlichkeit, um seine Filmkunst einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren zu können. „Safari“ wäre kein schlechter Name, oder?

Kinos früher und heute

Bis in die 1960er Jahre hinein gab es im Bezirk Eimsbüttel viele Kinos, unter anderen das Roxy in der Osterstraße, das Central in der Eimsbüttler Chaussee oder das Capitol an der Hoheluftchaussee. Übrig geblieben sind heute das Holi an der Schlankreye, das Abaton am Allende-Platz und im benachbarten Schanzenviertel das 3001.

Der Filmraum
Müggenkampstraße 7,
Tel. 35 62 89 83
40 Plätze
U2 bis Lutterothstraße
Eintrittspreis: fünf bis sieben Euro
❱❱ www.filmraum.net
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