Eimsbüttel: Schluss mit Immobilien-Spekulation?

Kampf um Altbauten: Betagte Häuser sind beliebte Spekulationsobjekte – dagegen gibt es immer wieder Protest in Eimsbüttel-Süd. (Foto: pr)

Wie Mieter in Eimsbüttel-Süd vor Verdrängung geschützt werden sollen

Eimsbüttel-Süd ist begehrt – sowohl bei Mietern als auch bei Investoren. Um den Trend zum teuren Wohnquartier zu bremsen, hat die Bezirkspolitik nun eine Verordnung erlassen. Das Elbe Wochenblatt gibt den Überblick.

Was will die Bezirkspolitik tun?
Im Juni soll eine soziale Erhaltensverordnung in Kraft treten – das Verfahren läuft bereits seit vier Jahren. Das ist eine Art Schutzschirm gegen Luxusmodernisierungen und den Trend zu (teuren) Eigentumswohnungen. Langjährige Bewohner des Viertels sollen so vor Verdrängung geschützt werden.

Was heißt das konkret?
Wenn ein Eigentümer das Bad sanieren lassen, neue Grundrisse ziehen oder Wohnungen zusammenlegen will, muss dies vom Bezirksamt genehmigt werden. Das Amt prüft dabei, ob die Wohnungen möglicherweise deutlich teurer werden könnten und so zahlungskräftigere Bewohner anlocken, die weniger finanzstarke verdrängen. Die Stadt hat auch ein Vorkaufsrecht, um Spekulation mit Grundstücken vorzubeugen.

Für welches Gebiet gilt die Verordnung?
Das Gebiet umfasst das Wohnquartier nördlich des Schanzenviertels – in etwa den Bereich zwischen Altonaer Straße, Kleiner Schäferkamp, Schäferkampsallee, Fruchtallee, Doormannsweg und Eimsbütteler Straße. Etwa 11.500 Menschen wohnen in dem Gebiet.

Werden die Mieten eingefroren?

Nein. Die Verordnung kann gewöhnliche Mietsteigerungen nicht verhindern. Es gibt aber Grenzen: Bei bestehenden Verträgen kann die Miete um maximal 15 Prozent in drei Jahren erhöht werden. Für Neuvermietungen gibt es eine solche „Bremse“ bisher nicht.

Wie hoch liegen die Mieten?
Laut einer Studie zum Quartier werden durchschnittlich 8,65 Euro Nettokaltmiete fällig – bei Neuvermietungen im Schnitt 9,70 Euro. Die Daten sind allerdings bereits mehr als zwei Jahre alt.

Warum gelten solche Schutzschirme nicht für ganz Eimsbüttel?
Die Bezirkspolitik will soziale Erhaltungsverordnungen auch für Eimsbüttel-Nord, Hoheluft-West und Stellingen erlassen – aber es fehlt das nötige Personal im Bezirksamt.

Das sagt der Mieterverein zu Hamburg

Der Mieterverein zu Hamburg hält soziale Erhaltungsverordnungen für ein wichtiges Mittel, um die Mietsteigerungen in begehrten Quartieren zu dämpfen. „Dieses Instrument richtet sich vor allem gegen Immobilienhändler, die mit Grundstücken spekulieren wollen“, so Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg. Einen sicheren Schutz vor Mieterhöhungen biete eine solche Verordnung indes nicht.


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Ist ein solcher „Schutzschirm“ für ganz Eimsbüttel sinnvoll? Werden hier langjährige Bewohner verdrängt? Kennen Sie Beispiele?
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Betreff: „Mieterschutz“
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1 Kommentar
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Moritz Krauß aus Wilhelmsburg | 08.05.2014 | 17:10  
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