Egal Bar: Bald ist Schluss

Kulisse für verrückte Filmemacher: 1998 drehten die No Budget-Mogule von den Sunnyday Gore Produktionen ihre knapp dreiminütige Trashfilmsaga „Der Schöne Tom Smegma“ in der Egal Bar. Bald ist Schluss. Repro: pa

Nach über 16 Jahren schließt die Kultkneipe im Karolinenviertel

Von Jan Paulo, Karolinenviertel – Die Tage der legendären Egal Bar im Karolinenviertel sind gezählt. Das Haus in der Marktstraße 131 soll abgerissen werden. Bis Ende des Jahres hat die Stadtentwicklungsgesellschaft Steg der Kultkneipe noch eine Gnadenfrist eingeräumt. Dann ist voraussichtlich endgültig Schluss. „Ursprünglich sollten wir schon im Herbst letzten Jahres raus, aber die Frist wurde mündlich noch ein paar Mal verlängert“, so Wirt Jurij Klauss.
Ende 1994 eröffnete Klauss als Student der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften gemeinsam mit seinem Freund, dem Buchhalter Bernd Masius, die Kneipe. „Bei der Steg erklärte man uns von Anfang an, dass wir lieber kein Bild an die Wand hängen sollten, da wir eines Tages wieder raus müssten“, erinnert er sich.
Die Egal Bar wurde zusehends zu einem Szene-Treffpunkt. Einen Wendepunkt sieht Klauss nach dem Ende der Abrisskneipe Kaspers Ballroom: „Durch Kontakte von unserem Barkeeper zog das dortige Kicker-Stammpublikum in die Egal Bar um.“
Die durchgeknallten Trash-Filmshows der Sunny Day Gore Produktionen und Live-Konzerte der Singenden Tulpe wie der High Quality Girls und nicht zuletzt das Grüne Buch sorgten immer wieder für reichlich Andrang. Ins Grüne Buch kann sich heute noch jeder eintragen, der mal einen Abend lang DJ sein möchte. „Wir hatten schon Russen-Disko, lange bevor es das Wort gab“, erzählt Klauss.
Ende der 90er Jahre feierten die Macher des damals gerade vom Fischmarkt weggeschleppten Betonschiffs sogar zwei Dancefloor Partys im nur durch eine Falltür erreichbaren Keller. Doch nach Beschwerden des benachbarten Bioladens stoppte die Steg sofort die „Maria-Empfängnis-Feten“.
Nun läuft der Countdown bis zum Jahresende. Klauss zumindest möchte keine neue Kneipe aufmachen: „Die Nachbarschaft möchte keine solche Gastronomie mehr haben. Wir sind die letzte Bar hier und haben noch Gewohnheitsrecht“, sagt der zweifache Familienvater, der bis vor wenigen Monaten selbst direkt über der Kneipe gewohnt hat.
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