Druck für Tempo 30

„Es stinkt hier nach Abgasen“: Helmut Behr will Tempo 30 auf der Methfesselstraße. Foto: cv
 
Vorbild Grindelhof: Hier hat Tempo 30 Ruhe und Lebensqualität in der Straße verbessert. Foto: georg sommer/adfc

Ein Eimsbütteler setzt sich für mehr Lebensqualität ein

Carsten Vitt, Eimsbüttel

Mehr Autos und Laster, mehr Lärm und Abgase. Helmut Behr hat den Eindruck, dass es an der Methfesselstraße immer schlimmer wird mit dem Verkehr. Der Eimsbütteler wohnt seit 38 Jahren in Sichtweite des Else-Rauch-Platzes nahe der U-Bahn-Station Lutterothstraße. Er will es nicht mehr hinnehmen, dass die Lebensqualität für ihn und tausende andere Bewohner im Viertel unter dem zunehmenden Verkehr leidet. Der 66-Jährige hat nun bei der Polizei beantragt, dass auf der Methfesselstraße zwischen Osterstraße und Eidelstedter Weg Tempo 30 statt Tempo 50 gelten soll.
„Nachts kann man wegen des Verkehrslärms nicht bei geöffnetem Fenster schlafen, der Balkon ist nur eingeschränkt zu nutzen“, sagt Behr. Dass Lärm und Abgase an vielen Hauptstraßen in Hamburg ein ernstzunehmendes Problem sind, betonen Umwelt- und Verkehrsverbände wie BUND und ADFC immer wieder. Die Hamburger Messwerte für den Luftschadstoff Stickstoffdioxid (NO2) zum Beispiel liegen seit Jahren über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Etwa 200.000 Menschen, die an oder in der Nähe von Hauptverkehrsstraßen wohnen, sind laut BUND in Hamburg Gesundheitsrisiken ausgesetzt (das Elbe Wochenblatt berichtete).
Tempo 30 gilt als eine Möglichkeit, um Lärm und Abgase zu reduzieren. Der Fahrradclub ADFC hat dazu eine Kampagne gestartet (siehe Text unten). Mithilfe eines Online-Formulars konnte Helmut Behr Werte für seine Straße herausfinden. Demnach liegen sowohl die NO2-Belastung als auch der Lärmpegel über den zulässigen Grenzwerten.
Das sind zwei Argumente, weshalb das Tempo auf dem Abschnitt der Methfesselstraße herabgesetzt werden sollte, findet Behr.
Weitere Gründe sieht er täglich: Viele Autofahrer würden nochmal richtig Gas geben, wenn die Ampel an der U-Bahn-Station auf Rot springt. Er beobachtet immer wieder brenzlige Situationen, wenn Radfahrer auf der Straße unterwegs sind und von Autos überholt werden. „Rechtsabbieger aus dem Stellinger Weg übersehen auch häufig die rote Ampel“, erzählt er.
„Tempo 30 auf der gesamten Methfesselstraße würde zu einer erheblichen Verbesserung für Fußgänger und Radfahrer führen“, ist Behr überzeugt.

Kampagne des ADFC
Der Fahrradclub ADFC ermuntert Hamburger mit einer Kampagne, Tempo 30 für ihre Straße zu beantragen. Über eine Online-Plattform können Bürger, die an Hauptverkehrsstraßen wohnen, Tipps und Argumente für einen Antrag bekommen. Der ADFC beruft sich darauf, dass die Stadt verpflichtet ist, bei Gesundheitsgefahren zu handeln. Lärm und Abgase über den gültigen Grenzwerten sind demnach Gefährdungen. Den Antrag müssen Bürger bei dem für ihr Wohngebiet zuständigen Polizeikommissariat stellen. Die Polizei lässt solche Tempo 30-Anträge derzeit zentral bearbeiten. Es dauert mehrere Wochen, bis ein Ergebnis vorliegt. Aus Eimsbüttel haben bisher etwa 30 Bürger das ADFC-Protal für einen Antrag genutzt. Tempo 30 wird unter anderem für die Hallerstraße, Bogenstraße, Schäferkampsallee oder Fruchtallee gefordert. CV
❱❱ www.hamburg.adfc.de/tempo30antrag
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