Drogenpolitik: „Man setzt auf Altbewährtes“

Kiffen ist weitverbreitet – Hamburgs Senat versucht mit mehr Polizei gegen Dealer und Konsumenten vorzugehen. Fachleute bezweifeln, dass das etwas bringt. (Foto: panther media)

Innensenator Andy Grote (SPD) startet eine Anti-Dealer-Kampagne: Interview mit Anke Mohnert von der Beratungsstelle Palette

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) schickt 50 Polizisten zusätzlich auf die Straßen, um Dealer auf St. Pauli und im Schanzenviertel zu kontrollieren und zu schnappen. Bringt das was? Gibt es Alternativen? Darüber sprach das Elbe Wochenblatt mit Anke Mohnert von der Drogenberatungsstelle Palette.

Hamburg setzt im Kampf gegen Dealer aktuell auf mehr Polizei – was halten Sie davon?
Im Prinzip gar nichts. Das Problem sind nicht die Dealer, das Problem ist die Illegalität der Drogen. Dealer werden gerne als die Bösen gesehen, wenn sie nicht wären, gäbe es keine Drogen – das ist natürlich völliger Unsinn. Selbst den Politikern ist das klar. Sie wollen die Dealer von der Straße haben. Unsichtbar soll alles werden. Nur können oder wollen sich aber nicht alle Menschen, die Drogen haben wollen, einen Dealer nach Hause bestellen und kaufen daher auf der Straße. Doch das ist nicht erwünscht.

Kann die Polizei das Problem überhaupt lösen?
Ich glaube, da gibt es nicht viel zu sagen, die letzten Jahrzehnte sprechen für sich. Natürlich kann die Polizei durch verstärkte Präsenz und Repression die Sichtbarkeit von Dealerei und Drogenkonsum verändern, sprich vertreiben. Aber es hört damit nicht auf, und es verlagert sich, zurzeit übrigens verstärkt ins Internet.

Warum werden aus Ihrer Sicht nicht mehr flankierende Hilfen angeboten?
Ich weiß es nicht. In St. Pauli ist seit der Verlagerung des Drogenkonsumraums nach Altona eine offene Drogenszene entstanden, es wird dort in Hauseingängen und auf den Straßen konsumiert, auch intravenös werden Spritzen gesetzt. Das alles versuchen die Bewohner zu thematisieren. Sie fordern Hilfen, insbesondere einen Konsumraum für drogengebrauchende Menschen. Aber keiner hört hin. Nicht mal ein Spritzenautomat ist politisch gewollt.

Was steckt dahinter?
Dass die Regierungspartei ein spezielles Problem mit der Inneren Sicherheit hat ist klar, seitdem Olaf Scholz 2001 Innensenator war. Ich erinnere nur an die Zeiten von Brechmitteleinsätzen. Da hat sich bis heute scheinbar wenig geändert. Man setzt auf Stärke und Repression und versucht damit der Bevölkerung zu signalisieren: Wir schützen euch und eure Kinder vor den bösen Dealern. In der Drogenprävention werden die Kos-ten nicht erhöht, es gibt weder innovative neue Projekte noch Ideen oder gar eine Akzeptanz dessen, was zu sehen ist. Man setzt auf Altbewährtes und hofft, mit einem blauen Auge davonzukommen.

Palette
Der Verein Palette wurde vor 26 Jahren gegründet und betreut Abhängige und deren Angehörige. Die Drogen- und Suchtberatungsstelle im Schanzenviertel hat den Schwerpunkt psychosoziale Betreuung, in der Beratungsstelle in Eimsbüttel werden hauptsächlich Kinder und Jugendliche drogenabhängiger Eltern unterstützt.
Seit seiner Gründung spricht sich der Verein für die Legalisierung von Drogen aus. Die Überzeugung der Fachleute: Verbote bringen hier nichts. „Legalisierung heißt für mich nicht: Verkauf am Kiosk. Es braucht eine Regulierung. Dann gäbe es Verbraucherschutz und Jugendschutz. Dann wäre der Stoff sauber, die Menschen könnten vernünftig über Wirkungen sowie Gefahren aufgeklärt werden und würden nicht an verunreinigtem Stoff erkranken oder durch hohe Reinheitsgehalte sogar sterben“, so Palette-Geschäftsführerin Anke Mohnert. CV

❱❱ www.palette-hamburg.de

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Sind Sie für mehr Polizei, um Drogenkonsum einzudämmen? Oder muss es da andere Lösungen geben?
Schreiben Sie uns!
Wochenblatt-Redaktion
Stichwort „Drogen“
Harburger Rathausstraße 40, 21073 Hamburg
Fax 040/85 32 29 39
E-Mail: post@wochenblatt-redaktion.de
Betreff: Drogen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.