Doppelmord von Stellingen: „Völlig unfassbar“

Sebastian R. (36) tötete im Mai zwei Menschen – jetzt steht er vor Gericht

Von Petra Manning, Stellingen – Der Angeklagte starrt vor sich hin, reden will er nicht. Was er vor dem Hamburger Landgericht zu sagen hat, verliest seine Pflichtverteidigerin in einer Erklärung. Als „völlig unfassbar“ bezeichnet Sebastian R. darin die ihm vorgeworfene Tat. „Es tut mir von Herzen leid.“ Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den 36-Jährigen, am 22. Mai in einem Wohnheim in Stellingen einen Doppelmord an einem Paar begangen zu haben – aus Habgier und um eine Straftat zu verdecken. Der Mann bestreitet diese Motive.
Die Anklage wirft ihm vor, er habe an das Bargeld kommen wollen, das er in dem Zimmer vermutete, das die beiden späteren Opfer bewohnten. Er soll dem Mann ein Küchenmesser mehrfach in Brust und Rücken gestoßen und, um diesen Mord und den Raub zu verdecken, die flüchtende Frau mit einem zweiten Messer getötet haben.
Es sei ihm nicht darum gegangen, an das Bargeld seines Opfers zu kommen, so der Angeklagte. Er habe an jenem Tag zwei Gramm Kokain konsumiert. Seine zunächst gute Laune sei schlagartig verschwunden gewesen, als die Zimmergenossin des Mannes ihn verärgert habe. R. gibt einen Streit zu, aber wie es zur Eskalation gekommen sei, könne er heute nicht mehr nachvollziehen. „Ich kann mich nicht mehr an den Ablauf erinnern.“
DNA-Spuren hatten die Polizei drei Tage nach dem Doppelmord auf die Spur des Mannes gebracht. In der Vernehmung gestand er das Verbrechen. „Nach der Aussage war ich erleichtert“, ließ er die Verteidigerin in seiner Erklärung verlesen.
Nicht das erste Mal, dass er mit den Strafverfolgungsbehörden Kontakt hatte. Insgesamt 16 Eintragungen verzeichnet das Bundeszentralregister, darunter Verurteilungen wegen Körperverletzung, Diebstahl, Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen unerlaubten Führens einer Schusswaffe. Im Mai, als die Tat geschah, war er auch nur auf Bewährung frei.
Die Verhandlung wird fortgesetzt, die Urteilsverkündung ist für den 26. Januar vorgesehen.
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