Die Volkszählung der Wildbienen

Ein Männchen der Roten Mauerbiene (Osmia bicornis), die in Hamburg sehr häufig ist. (Foto: Künast)
 
Manuel Pützstück von der Deutschen Wildtier Stiftung ist einer der Biologen, die in Hamburg auf Wildbienen-Fang gehen. (Foto: Costanzo)

Hamburger Artenschützer erstellen eine Rote Liste für die wichtigen Insekten

Jenifer Calvi, Eimsbüttel

Sandbiene, Furchenbiene, Schneckenhaus-Mauerbiene – schonmal gehört? Sie alle gehören zu den rund 600 Wildbienenarten in Deutschland. Nur noch rund 300 Arten davon sind in Hamburg zu finden – das vermuten zumindest die Biologen, die im Centrum für Naturkunde (CeNak) in Eimsbüttel ihr Projekt für die allererste Rote Liste der Hamburger Wildbienen vorstellen. Die „Volkszählung“ der wilden Bienen wird von Experten der Deutschen Wildtier Stiftung in Stellingen durchgeführt. Dauer: mindestens drei Jahre. Manuel Pützstück, Artenschützer von der Deutschen Wildtier Stiftung, erklärt im Interview, worum es geht.

Wieso sind Wildbienen so schützenswert, dass man eine Rote Liste für sie braucht?

Manuel Pützstück: Wildbienen sind wichtige Bestäuber – ohne sie gäbe es weder Kirschen noch Äpfel noch Wildblumen. Es gibt Studien, die zeigen, dass die Bestäubungsleistung von Wildbienen noch effizienter als die der Honigbienen ist. Da der Lebensraum für Wildbienen aber zusehends schrumpft, sterben viele Arten unwiderruflich aus. Das geschieht so still und leise, dass wir Menschen es nicht mitbekommen, wenn wir nicht endlich hinsehen.“

Was unterscheidet die Wildbiene denn von der Honigbiene?

Pützstück: Die Honigbiene ist sozusagen ein Haustier des Menschen. Sie lebt als Schwarm im Bienenstock und hat einen Imker. Die Wildbiene aber zieht als Einzelgängerin umher. Sie ist scheu und braucht besondere Nistplätze, zum Beispiel im Erdboden oder in markhaltigen Blumenstängeln, um sich fortpflanzen zu können. Im Gegensatz zu Honigbienen stechen Wildbienen auch so gut wie gar nicht.

Warum sind Stadtteile wie Eimsbüttel und Stellingen ideale Wohnorte für Wildbienen?

Pützstück: In solchen Stadtteilen gibt es viele Möglichkeiten für die nur millimetergroße Wildbiene, sich einen Platz zu suchen, wenn wir Menschen es zulassen. Das kann ein kleines Loch zwischen zwei Gehwegplatten sein, in das sie sich zurückzieht. Durch die hohe Anzahl an Kleingärten steht auch ein hohes Nahrungsangebot zur Verfügung, wenn dort auch ein paar wilde Ecken zu finden sind. Wer Wildbienen helfen möchte, sollte seinen Garten oder den Balkon einfach ein bisschen verwildern lassen, auch über den Winter hinweg. So findet die Wildbiene Nahrung und Unterschlupf. “

Die Zählung

In den nächsten Jahren schwärmen Biologen mit Keschern und Fangschalen in der Stadt aus, um Wildbienen zu fangen. Am Ende werden die Daten mit der Hamburger Wildbienen-Sammlung des Zoologischen Instituts abgeglichen. So bekommen die Experten einen Überblick, welche Arten bereits verloren gegangen sind, und für welche es noch nicht zu spät ist. „Jede Art hat unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum, den wir dann noch besser gestalten können“, so Biologe Manuel Pützstück.
Übrigens: Auch Hummeln zählen zu den Wildbienen! Dramatisch: Von den früher bekannten rund 40 Arten sind heute in Hamburg nur noch rund fünf bis sechs Arten zu finden. Hummeln produzieren, wie alle Wildbienen, keinen Honig. JC
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