Die Sperrmüll-Partys der 80er

Sperrmüll: Das war ein Vergnügen für Jugendliche, Erwachsene und Sammler (Foto: Thomas Henning)

Fotograf Thomas Henning dokumentiert mit seinem Bildband „Sperrmüll, 1983“ eine vergessene Zeit

Alte Möbel, ausgediente Haushaltsgeräte und Plunder, den man nicht mehr braucht: All das bringen wir heute zum Recyclinghof. Bis 1990 konnten Hamburger viermal im Jahr Sperrmüll einfach an die Straße stellen – ein Fest für Sammler und Stöberer. Das Elbe Wochenblatt sprach mit Fotograf Thomas Henning, der die Sperrmüll-Party im Jahr 1983 in Bildern festgehalten hat.

Was hat Sie fasziniert an den Sperrmüllnächten?
Das war eine tolle Party, der Sommer 1983 war sehr heiß und lang. Als am Abend der Sperrmüll an der Straße stand, zogen viele Leute durch die Stadt, um zu stöbern. Die Haufen an Möbeln, Elektrogeräten und Krimskrams wurden Stück für Stück umgeschichtet, da lagen teilweise ganze Biografien auf dem Sperrmüll.

Wer war damals unterwegs?
Zuerst kamen die professionellen Sammler, meist zu zweit und mit einem Auto. Da gab es schon mal Streit um die besten Stücke. Dann waren Hunderte Leute unterwegs, die einfach vorbeischauten und stöberten.

An sich war es ja nicht erlaubt, die ganzen Sachen zu verstreuen ...
Ja, aber das hat niemanden gestört. Es gab damals noch genug Platz auf den Gehwegen und am Straßenrand, die Stadt war noch nicht so zugebaut wie heute. Wenn eine Ecke voller Sperrmüll war, hat man sein Auto eben woanders geparkt. Das funktionierte.

War der Handel mit gebrauchten Waren damals noch weiter verbreitet als heute?
An manchen Ecken schon: An der Weidenallee zum Beispiel gab es mehrere Läden, in denen Händler auch Ware vom Sperrmüll verkauften. Am Kleinen Schäferkamp wohnte in einem vollgestopften Souterrain ein Mann mit langen grauen Haaren und grauem Bart. Der fuhr mit einem Moped mit Anhänger durch die Gegend, um Sachen einzusammeln. Den durfte ich aber nie fotografieren. Irgendwann war der Mann dann weg – der Laden auch.

Haben Sie selbst noch Sachen vom Sperrmüll?
Ich war kein Sammler. Und so etwas wie Bauhaus-Lampen hat leider nie jemand weggeworfen. Ein Fundstück habe ich aber noch: Das ist ein Buch in Blindenschrift, mit dickem Papier und teurer Prägung. Das müsste noch auf dem Dachboden sein.

Thomas Henning:
Sperrmüll, 1983
Junius Verlag
ISBN 9783885060420
Preis: 22,90 Euro
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