Die Gärtner von nebenan

 
Eine Verfechterin für Nachhaltigkeit und eine ökologische Lebensweise: Christine Stecker. Foto: cvs

„Stephanusgarten“: Nachbarschafts-Initiative verschönert öffentliche Grünanlage und bekommt Preis dafür

Ch. v. Savigny, Eimsbüttel
In dem halbrunden, mit geflochtenen Weidenzweigen und Findlingssteinen eingefassten Beet wachsen Lupinen, Ringelblumen und Sonnenblumen. Auch Essbares wie Minze und Erdbeeren ist hier zu finden.
„Das war einmal eine trostlose, vernachlässigte Rasenfläche“, sagt Christine Stecker. Vor fünf Jahren hat die Anwohnerin an der Ecke Sartoriusstraße/Lutterothstraße damit begonnen, ihre Umgebung zu begrünen. Eine Baumscheibe machte 2012 den Anfang – mittlerweile wachsen dort wilde Kamille, Stockrosen und Storchenschnabel. Aus dem Ein-Frau-Projekt entstand nach und nach eine Gemeinschaft. Heute gibt es etwa 40 Nachbarn, die dank Steckers Engagement über eine Internetplattform zusammengefunden haben.
„Gärtnern ist ansteckend“, findet Mitstreiterin Frederika Hoffmann, die seit etwa zwei Jahren dabei ist. Laut Initiatorin Stecker hatten sich die Teilnehmer trotz des gleichen Wohnumfelds zuvor kaum gekannt. „Jetzt sagt man eigentlich ständig ,Hallo’ – es ist fast wie auf dem Dorf!“ Auch ein spontanes Mittsommerfest habe man kürzlich zusammen gefeiert.
Größtes Projekt der Eimsbütteler Initiative ist zurzeit eine rund 700 Quadratmeter umfassende Grünanlage neben der ehemaligen Stephanuskirche in der Lutterothstraße. Obwohl die Bezeichnung „Grünanlage“ zuletzt kaum noch zutreffend war. 
Regen, Fußgänger und Hunde hatten die Fläche in eine braune Matschlandschaft verwandelt. Nun soll der von den Initiatoren so benannte „Stephanusgarten“ mit Stauden und regionalen Gehölzen neu bepflanzt werden. Geplant sind außerdem Gemeinschafts-Hochbeete, neue Sitzgelegenheiten sowie ein „Beeren-Naschgarten“.Für das Projekt hat die Initiative in diesem Jahr den Hanse-Umweltpreis bekommen, der vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) verliehen wird. „Der Stephanusgarten bietet nicht nur Schmetterlingen und Bienen einen neuen Lebensraum mitten in der Stadt“, zeigt sich NABU-Geschäftsführer Tobias Hinsch beeindruckt. „Er steigert auch die Lebensqualität und das Miteinander der Anwohner.“ Das Preisgeld in Höhe von 6.000 Euro teilt sich die Eimsbütteler Ini mit einem Urban-Gardening-Projekt in Barmbek. CVS

Die Anstifterin

Christine Stecker ist Initiatorin des Stephanusgartens

Seit 13 Jahren lebt Christine Stecker (51) im Stadtteil. In diesem Zeitraum habe sich viel verändert. „Eimsbüttel ist jetzt noch viel dichter bevölkert als früher“, sagt sie. Was man auch an den Autos sehe: Nur eine Minderheit unter den Bewohnern habe überhaupt die Möglichkeit, sich ein Fahrzeug anzuschaffen. Schon allein aus Platzgründen, es gibt nicht genügend Parkplätze für alle.
Stecker, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Hamburg, ist eine glühende Verfechterin für Nachhaltigkeit und ökologische Lebensweise. „Autos raus aus der Stadt – mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer und öffentlichen Nahverkehr.“ Gegen Autos an sich habe sie nichts. „Bloß: Muss man das denn unbedingt noch attraktiv machen?“
„Aus Frust“ über ihr viel zu kleines und schattiges Hinterhofgärtlein begann Stecker vor einigen Jahren mit dem Gärtnern vor ihrer Haustür, direkt neben dem Bürgersteig. Die wuchernde Blumenpracht fand recht schnell viele Anhänger und Mitstreiter. „So etwas muss man sich allerdings genehmigen lassen“, erklärt Stecker. Damit tue sich die Verwaltung leider schwer. „Zu den Bürgern Vertrauen haben, dass sie etwas Gutes machen – darin kann Hamburg noch einiges lernen“, findet sie.

Zuschuss
Häufig tut sich die Bezirksverwaltung schwer mit Eigeninitiativen von gärtnernden Bürgern. Beim Stepha-nusgarten ist das anders. Die Gruppe bekommt nun sogar einen Zuschuss, um das öffentliche Pflanzen und Ernten für alle anbieten zu können. 20.000 Euro hat die Bezirksversammlung Eimsbüttel genehmigt.
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