Die Bahn sagt nur die halbe Wahrheit

Alter Platz: Der Fernbahnhof Altona wird aufgegeben, bis 2023 soll am Diebsteich neu gebaut werden. Weil es für die Bahn praktischer ist als die Anlagen in Altona zu erneuern. (Foto: Eichbaum)
 
Neuer Platz: Der „Posttrog“ am S-Bahnhof Diebsteich ist ein Biotop, wird aber zugeschüttet für den neuen Fernzughalt. (Foto: Eichbaum)

Neubau Fernbahnhof Diebsteich: Erst auf Druck einer Bürgerinitiative und der Eimsbütteler Bezirkspolitik rückt die Bahn Planungsdetails heraus

Gerd Eichbaum/C. Vitt, Altona/Langenfelde

Am Ende der mehrstündigen Sitzung des Regionalausschusses Stellingen stand eine seltene Einigkeit. Sämtliche Bezirksfraktionen wollen nach Beratungen in den eigenen Gremien die Vertreter der Deutschen Bahn noch einmal zum Gespräch bitten. Begründung: deren mangelhafte Informationspolitik.
Die teilweise sehr aufgeregte Debatte um die Bauarbeiten für den an der S-Bahn-Station Diebsteich geplanten neuen Fernbahnhof hatte indes mehr offene Fragen hinterlassen als Antworten geliefert. Für die Kritiker der geplanten Verlegung stellte sich zudem ein grundsätzliches Problem. „Der sinnlose Umzug des Bahnhofs Altona wurde nicht weiter erörtert und darum auch nicht über die Möglichkeit gesprochen, den Bahnhof in Richtung Stresemannstraße oder auf das Gelände der alten Holsten-Brauerei zu verlegen“, sagte Dieter Appelt von der Bürgerinitiative Langenfelder Signal. „Wir haben das Gefühl, dass Bahn und Stadt kein Interesse daran haben und dies noch nicht einmal geprüft haben.“ Die Langenfelder Initiative spricht sich wie die Mitstreiter von Prellbock Altona für eine Sanierung und Beibehaltung des jetzigen Standortes des Fernbahnhofs im Zentrum von Altona, der in den neuen Stadtteil „Neue Mitte Altona“ integriert werden könnte.
Bloß keine Hindernisse auf unserem Gelände! So lässt sich die Haltung der Bahn in Sachen Bauverkehr zusammenfassen. Es gibt insgesamt sieben Varianten, wie Laster und Material zur Baustelle am Diebsteich kommen können, sechs scheiden laut Bahn aber wegen „erheblicher betrieblicher Einschränkungen“ aus. Ein Schwerpunkt ist dabei der teilweise Abriss eines ungenutzten Gleisstrangs zum Postzentrum (Posttrog). Die Bahn möchte diese Baustelle von Osten her über Kieler Straße und Försterweg, mitten durch ein Wohngebiet und einen Kleingartenverein, anfahren lassen.

Lärm und Schmutz sieht die Bahn als Probleme der Stadt

Bei dieser Zufahrtsvariante funktioniert die stillschweigende Arbeitsteilung mit der Stadt: Die zum Teil erheblichen Lärm- und Schmutzbelästigungen sind nicht Bestandteil der Überlegungen der Bahn, weil sie auf öffentlichen Flächen entstehen. Dies wird als Problem der Stadt angesehen. Aber Bürger nehmen das nicht einfach so hin.

Keine Alternative?

Sie fragen: Kommen Laster nur durch das Stellinger Wohngebiet und den Kleingartenverein zur Baustelle? Im Sommer sagte ein Bahn-Sprecher dem Elbe Wochenblatt: „Alternative Routen gibt es nicht.“ Stimmt nicht. Auf Druck von Anwohnern und Bezirkspolitikern legte das Unternehmen im Herbst offen, welche Strecken denkbar wären. Die Eimsbütteler Bezirkspolitik will die Bahn nun dazu bringen, Änderungen zu berücksichtigen. Es wird eine Route vorgeschlagen, die Laster über Holstenkamp, Große Bahnstraße und über eine Rampe zu der Baustelle führt und dann durch den Kleingartenverein und die Wolffstraße wieder heraus. So könnte der Baustellenverkehr für das ohnehin stark belastete Wohngebiet zumindest halbiert werden.
Weil die Bahn neben der Verlegung des Bahnhofs auch die Neubauten eines Stellwerks und einer Wartungshalle plant, geht man mittlerweile von einer Bauzeit von insgesamt vier Jahren aus. Die Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs ist für Ende 2023 vorgesehen. „Die Bahn ist deutlich in Erklärungsnot, das ist ein Erfolg unserer Initiative“, so Dieter Appelt (Langenfelder Signal).
Alle Varianten der Bahn im Überblick: Link


Hintergrund: Der neue Fernbahnhof


Nach mehr als 100 Jahren im Zentrum Altonas soll der Fernbahnhof umziehen in den Bereich des heutigen S-Bahnhofs Diebsteich – für die Bahn vor allem eine betriebstechnisch sinnvolle Lösung, Fernzüge in unmittelbarer Nähe ihres ICE-Betriebswerks in Eidelstedt halten zu lassen. Geplant ist am Diebsteich ein neuer Durchgangsbahnhof mit sechs Fernbahn- und zwei
S-Bahngleisen. Bauzeit: 2018 bis 2023.
Bürgerinitiativen wie Prellbock Altona oder Langenfelder Signal kritisieren die Verlegung wegen der schlechten Anbindung an weitere S-Bahn-Linien am Diebsteich, wegen der Lage des Bahnhofs abseits eines Stadtteilzentrums und wegen der massiven Lärm- und Schmutzbelastungen beim Neubau. Es werden alternativ der Umbau und die Sanierung des bestehenden Bahnhofs in Altona gefordert.

Kommentar: Häppchentaktik schafft kein Vertrauen
 auf anderen WebseitenSenden
2 Kommentare
270
Peter Wulf aus Altona | 06.01.2017 | 23:38  
13
Michael Schulz aus Stellingen | 12.01.2017 | 01:16  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.