„Die Arbeit hält mich jung“

„Sach mal, hat der HSV für die nächste Saison schon neue Spieler gekauft?“ Ernst Schmidt (90) unterhält sich gerne über seinen Lieb-lingsverein – als Kunde sollte man in solchen Fällen allerdings viel Zeit mitbringen. (Foto: cvs)

„HSV-Friseur“ Ernst Schmidt hat kürzlich seinen 90. Geburtstag gefeiert

Von Ch. v. Savigny

An den Wänden hängen Fotografien von Ernst Schmidt mit aktuellen und ehemaligen HSVlern: Uwe Seeler zum Beispiel, auch die Tainer Michael Oenning und Bruno Labbadia lächeln freundlich zusammen mit Schmidt in die Kamera. Und Hermann Rieger, der mittlerweile verstorbene langjährige Masseur der Rothosen. „Dem habe ich sogar mal die Haare geschnitten“, erinnert sich Schmidt. Zwar habe der gar nicht so viele gehabt. „Aber gerade da kommt es darauf an, etwas daraus zu machen!“
Seit Jahrzehnten ist Schmidt, der einen kleinen Friseursalon in Eimsbüttel betreibt, glühender Anhänger des Hamburger Sportvereins. „Schmiddl“, wie ihn seine Kunden nennen, hat in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert. Und noch immer führt der gelernte Friseur Schere und Kamm wie ein Jungspund – ganz ruhig und ohne Zittern. „Entspannen Sie sich mal“, sagt er zu einem Kunden, dem er gerade den Hinterkopf einseift. Schmidt nimmt sich richtig viel Zeit: eine Stunde kann so eine Prozedur mit Waschen und Schneiden schonmal dauern. „Die Arbeit hält mich jung“, erklärt Schmidt. Tagtäglich fährt er mit dem Fahrrad – auch jetzt noch, im fortgeschrittenen Seniorenalter.
Zu seinem Geburtstag hat ihm HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer ein HSV-Trikot mit der Nummer 90 vorbeigebracht. Nur die Unterschriften der aktuellen Spieler fehlen noch. „Das müssen wir nachholen“, findet Schmidt, der seit 1963, dem Gründungsjahr der Bundesliga, eine HSV-Dauerkarte besitzt und praktisch kein Heimspiel verpasst hat. Auch sein Sohn und sein Enkel sind regelmäßig mit von der Partie. Im Moment sei er nicht so zufrieden mit seinem Club, sagt Schmidt. „Aber es hat sich ja schon etwas gebessert.“ Und in der nächsten Saison, davon ist rüstige alte Herr überzeugt, werde der HSV alle überraschen. „Vierter oder fünfter Platz“, sagt Schmidt und zwinkert mit den Augen.
Hamburgs wahrscheinlich ältester aktiver Friseur stammt aus einem kleinen Nest bei Freiburg an der Elbe. 1950 ging er nach Hamburg, bis 1975 arbeitete er als Angestellter in einem Geschäft auf dem Hamburger Rathausmarkt, anschließend machte er sich selbständig. „Arbeiten“, sagt Schmidt, „werde ich, solange es geht. Für meine 90 Jahre bin ich ja noch ganz gut drauf.“
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