„Deutsch ist so verdammt schwer!“

Wie fühlt es sich an, alleine in einem fremden Land zu sein, dessen Sprache man nicht spricht? Javad (22) mit den Schülern der 7d der Stadtteilschule Stellingen. (Foto: cvs)

Stadtteilschule Stellingen: Aktionstag mit jungen Flüchtlingen

Christopher von Savigny, Stellingen

Javad (22) steht in der Mitte des Stuhlkreises und spricht persisch: „Man Javad hastam“, sagt er. „Esme to chie?“ („Ich heiße Javad. Wie heißt du?“). Es dauert gar nicht lange, bis die Siebtklässler der Stadtteilschule (STS) Stellingen begriffen haben und auf persisch antworten. „Sich vorstellen zu können ist wichtig, wenn man in einem fremden Land ist und die Sprache nicht kann“, sagt Javad, der vor sechs Jahren als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling aus Afghanistan kam.
„Deutsch ist so verdammt schwer“, berichtet Javad weiter. Anfangs habe er sogar beim Essen ferngesehen – immer mit dem Wörterbuch auf den Knien. „Und ich habe jedem gesagt: Bitte verbessern Sie mich!“ Inzwischen befindet sich der junge Mann auf einem guten Weg: In diesem Jahr hat er sein Abitur an der STS Stellingen abgelegt und will nun Pharmazie studieren.
Unter dem Motto „Willkommen in Stellingen“ feierte die STS kürzlich einen kunterbunten Aktionstag zum Thema „Flüchtlinge“. Eingeladen waren 120 Kinder aus drei Zentralen Erstaufnahmelagern (ZEA) in Lokstedt und Stellingen – dort werden sie regelmäßig von Lehrern aus der STS unterrichtet.

„Wir wollen neue Mitschüler besser kennenlernen“

„Wir wollten unsere neuen Mitschüler besser kennenlernen“, berichten Samiksha (19) und Touraj (20), die den Projekttag gemeinsam mit ihren Teamkollegen aus dem Schülerrat organisiert hatten. Auf dem Schulgelände wurde gemeinsam gespielt, musiziert, gekocht und Sport getrieben. Schüler nähten Federmäppchen für die ausländischen Besucher. Mit Hamburger Politikern fand eine Podiumsdiskussion zum Thema „Einwanderung“ statt. „Es ist schön zu sehen, dass wir so toll unterstützt werden“, sagt Samiksha, die sich schon einmal an einer ähnlichen Aktion des Schülerrats beteiligt hat: Damals wurden Spenden für Flüchtlinge gesammelt.
Mit von der Partie war auch die Flüchtlingsinitiative Open-EyesOpenHearts (OEOH), die im vergangenen Jahr von zwei Syrern und einer Hamburgerin gegründet worden war. Ziel von OEOH ist es, Vorurteile abzubauen und zum gegenseitigen Verständnis beizutragen. In der STS Stellingen berichteten syrische Teilnehmer im Alter von 20 bis 28 Jahren von ihrer schweren Entscheidung, ihr Heimatland zu verlassen, von den Gefahren der Flucht und von ihrer Hoffnung auf ein neues Leben in Deutschland. Das Projekt finanziert sich ausschließlich über Spenden und private Zuwendungen.
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