Der schrägste Laden des Karoviertels

Zweieinhalb Stunden braucht Stephan Watrin, um seine Waren nach draußen zu tragen. (Foto: KP Flügel)

Die letzten ihrer Art: Stephan Watrins Geschäft ist eine Mischung aus Trödelladen und Kunstgalerie

K.P. Flügel, Karolinenviertel

In der Marktstraße mit ihren schicken Läden und Cafés wirkt eine Adresse wie aus einer anderen Zeit: Das Galerielokal Senator Watrin in der Marktstraße 29. Auf dem Bürgersteig davor eine Ansammlung von Skelettfiguren, Tierschädeln, Kästen mit Druckereiplatten, Golfschlägern, Landkarten, Schallplatten und anderem Trödel. Wer die Stufen hinuntergeht, tritt ein in das Krimskrams-Universum von Stephan Watrin. Er sitzt meis-tens zwischen einem Glastisch, auf dem Papierschnipsel wild durcheinander liegen, und einem kleinen Schubladenschrank. Seit 2003 existiert sein Geschäft, das eine Mischung aus Kunstgalerie, Trödelladen und Kuriositätensammlung ist.
„Ich bin krankhafter Sammler“, bekennt er, der seine Leidenschaft nutzt, eine überbordende Vielzahl von Trödelsachen und selbst gefertigten Drahtobjekten anzubieten, die er als Recyclingkunst bezeichnet. „So Läden wie meinen gibt es leider fast nicht mehr. Das Fernsehen hat hier schon ein paar Mal gefilmt, es wurden sogar mal Szenen für den Film ‚Wie krieg ich meine Mutter groß?‘ mit Matthias Brandt gedreht. Ich habe denen den Schlüssel gegeben und bin dann für 14 Tage nach Italien gefahren. Da wurde der Laden komplett ausgeräumt. Nur das Einräumen musste ich selber machen.“

Ab und zu schaut Künstler Daniel Spoerri vorbei

An manchen Sonnabenden schauen bis zu 500 Interessierte bei ihm rein. Die meisten sind Touristen oder Stammkunden. Mit den meisten spricht er aber nicht, denn „ich bin eher muffelig. Wer was kaufen will, kann etwas kaufen.“ Genervt reagiert er auf die „Geiz-ist-geil“-Mentalität von Kunden, die alles günstig auf Kosten anderer haben wollen. Da mag er schon lieber die mit ihren Künstlern kommenden Galeristen, „weil sie so Sachen, die ich anbiete, woanders nicht mehr finden“. Hin und wieder schaut der international renommierte Objektkünstler Daniel Spoerri vorbei.
„Ich bin schon mit eine Attraktion für das Karoviertel“, sagt Stephan Watrin in dem
Bewusstsein, eine Bereicherung für die Marktstraße zu sein. Für ihn offenbar Motivation genug, täglich die Anstrengung auf sich zu nehmen, zweieinhalb Stunden seine Waren nach draußen und sie eineinhalb Stunden zum Feierabend wieder rein zu tragen.
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