Der Schmu von O2

O2-Kunde Claus Reissig sollte einen teureren Vertrag für einen schnelleren Internetzugang abschließen. Wollte er aber nicht, dann gab es das ganze Paket plötzlich gratis – ohne Mehrkosten. (Foto: cvs)

Schnelle, neue Technik für mehr Geld – doch dann gibts alles gratis: Ein Kunde wundert sich über Angebote seines Telefonunternehmens

Christopher von Savigny, Eimsbüttel

Erst kostenpflichtig, dann umsonst? Claus Reissig, Kunde des Telefon- und Internetanbieters O2, versteht die Welt nicht mehr. Mitte Juli bekam er von seinem Unternehmen einen Anruf mit der Aufforderung, seinen aktuellen Vertrag zu kündigen. Als Grund wurde ihm die Umstellung auf Glasfaserkabel genannt. Für 34.90 Euro – statt wie bisher 29,90 Euro – wurde ihm schnelleres Surfen sowie ein neuer Router versprochen. Reissig lehnte ab, weil er mit seiner Internetverbindung soweit zufrieden ist. „Mehr brauche ich nicht“, sagt er.
Eine Woche danach kam ein Brief von O2. Inhalt: Als Bestandskunde stehe Reissig die Umstellung kostenlos zu. Noch im August werde ein Techniker vorbeikommen, um alle notwendigen Änderungen vorzunehmen – gratis. „Das ist meiner Ansicht nach schlicht Betrug“, sagt Reissig. Sein Rat: „O2-Kunden, die sich auf eine Vertragsveränderung eingelassen haben, sollten schnellstens widerrufen!“
So richtig klar wird die Angelegenheit auch nach einer Anfrage beim Unternehmen nicht. Zwar sagt Sebastian Vitzthum, Sprecher von O2-Mutter Telefonica: „Für fünf Euro Mehrkosten erhält der Kunde natürlich auch mehr Leis-tung.“ Nämlich 50 Megabit pro Sekunde Downloadgeschwindigkeit statt wie bislang 16 Megabit, so die Info von Vitzthum. Doch ob O2 das Versprechen halten kann, steht in den Sternen. Denn das Glasfaserkabel reicht im Regelfall nur bis zur Anschlussstelle im Haus – dahinter sind jeweils noch etliche Meter Kupferkabel zu überwinden, die das Surfen deutlich verlangsamen. Alle Anbieter sprechen daher durch die Bank von „bis zu“ soundsoviel Megabit pro Sekunde – meist ohne konkret zu werden. Wer jetzt bereits einen neuen Vertrag bei O2 unterschrieben habe, könne dies innerhalb von 14 Tagen rückgängig machen, so Vitzthum.
Für Claus Reissig bleibt damit im Großen und Ganzen alles wie es war. Nur aus Neugier guckte er nochmal in seinen alten Vertrag, den er – schon vor Jahren – bei O2-Vorgänger Hansenet abgeschlossen hat. Und was steht dort? 16 Megabit pro Sekunde – genau das Gleiche, was O2 aktuell in Aussicht stellt. Reissig schüttelt den Kopf: „Das ist doch echt der Hammer, oder?“, fragt er.
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3 Kommentare
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Jens Dörfel aus Altona | 06.05.2016 | 22:43  
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Jens Dörfel aus Altona | 06.05.2016 | 22:45  
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Jens Dörfel aus Altona | 06.05.2016 | 22:46  
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