Der Multi-Kulti-Straßenführer von Eimsbüttel

Gute Nachbarschaft in der Gustav-Falke-Straße: Autor Jürgen Bertram (Mitte) mit den Gastronomen Panagiota Karampetsou (l.) und Georgios Efthimiadis: zwei von Dutzenden spannenden Lebensläufen, die der Eimsbütteler in seinem Buch „Onkel Ali & Co.“ vorstellt. Foto: cv

Autor Jürgen Bertram erzählt spannende Lebensgeschichten von Zuwanderern

Der türkische Gemüsehändler, die griechischen Gastronomen, der pakistanische Blumenhändler – wir treffen sie fast täglich. Aber kennen wir auch ihre Geschichten? Jürgen Bertram hat eine Schatztruhe geöffnet. Entlang der Gustav- Falke-Straße in Eimsbüttel interviewte er Zuwanderer und schrieb ihre Geschichten auf. Herausgekommen ist ein Buch, das die Nachbarschaft aus einer spannenden Perspektive zeigt. „Onkel Ali & Co.“ ist ein Spaziergang durch die Kulturen, die gleich vor der Haustür liegen. Man muss nur hinschauen.
Mit etwa 30 Zuwanderern sprach der Journalist. Seinen Streifzug begann er beim Gemüsehändler am U-Bahnhof Schlump. Er führte ihn unter anderem in den Eckladen von „Onkel Ali“, die griechische Nachbarschaftskneipe gegenüber und in den Boxclub Heros. Da erzählt der Händler von seiner Jugend in der anatolischen Provinz, der junge Boxer von seinen Kriegserlebnissen in Afghanistan und der Weinhändler von seiner Angst vor den Klauen des Pinochet-Regimes. Es sind packende Protokolle von Menschen, die aus ganz verschiedenen Gründen nach Hamburg kamen. Und die sich alle auf ihre Art erstmal zurechtfinden und durchbeißen mussten.
Bertrams Buch ist eine Art Feldstudie des Miteinanders in einem durchschnittlichen Wohngebiet. Von verklärender Folklore ist es weit entfernt. Unter dem Strich ist es ein Plädoyer dafür, Menschen aus anderen Ländern und Kulturen als Chance zu begreifen, nicht als Gefahr. Der Anstoß für das Buch war die hitzig geführte Integrationsdebatte, die der Ex-Bundesbanker und SPD-Querschläger Thilo Sarrazin mit seinem Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ lostrat. „Einige seiner Thesen sind absurd und nicht haltbar“, findet Bertram.
Ihm geht es darum, eine Bilanz zu ziehen, was Zuwanderer für die Gesellschaft geleistet haben und leisten. „Ohne ihren Beitrag wäre das Land ärmer“. Probleme spart Bertram nicht aus, zeigt aber anhand von Beispielen, wie man sie überwinden kann.



Das Buch
Jürgen Bertram
Onkel Ali & Co.
Meine Multikulti-Straße
Osburg-Verlag, 16,95 Euro
ISBN 978-3-940731-73-9
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