Der Herr der Rahmen hört auf

Die letzten Tage in seinem Laden: Horst Renner schließt Ende Mai die Galerie Ambiente in der Bismarckstraße.
 
Hoheluftchaussee 69: Die alte Adresse der Galerie Hoheluft. Voriges Jahr wurde das Haus abgerissen. (Foto: pr)

Nach mehr als 30 Jahren schließt Horst Renner sein Fachgeschäft in Hoheluft

Ende Mai ist Schluss, Horst Renner hört auf. Knapp 30 Jahre führte der Kaufmann seinen Rahmenfachhandel mit angeschlossener Galerie. Seit 1985 an der Hoheluftchaussee, seit gut acht Jahren an der Bismarckstraße. „Wirtschaftlich läuft es gut“, sagt Renner. Aber er möchte mit 68 Jahren nicht mehr von montags bis sonn-abends im Geschäft stehen. „Langsam will ich mich zur Ruhe setzen“, sagt er. Einen Nachfolger für sein Fachgeschäft hat er nicht gefunden.
Als Renner 1985 in der Hoheluftchaussee 69 eröffnete, war die Geschäftszeile an der Hauptverkehrsstraße noch eine gute Adresse mit vielen attraktiven Geschäften. Unter anderem gab es eine Parfümerie, ein Kaufhaus, ein Fachgeschäft für Lederwaren, ein Reformhaus, einen Eisenwarenhandel, ein Fotofachgeschäft, dazu alteingesessene Bäckereien wie zum Beispiel Christiansen. „Das war ein guter Branchenmix damals, aber ab Ende der 90er Jahre wurde es schlechter“, erzählt Renner. Alteingesessene inhabergeführte Geschäfte gaben auf. An deren Stelle zogen mehr und mehr Billigläden ein. „Es gab eine hohe Fluktuation, viele konnten sich nicht halten“, so Renner.

„Kunst für alle“ lautet das Geschäftsmodell

Er hatte sich auf Bilderrahmungen und Kunstdrucke spezialisiert – eine Nische, die offenbar bis heute gut läuft. „Kunst für alle“ lautet das Geschäftsmodell: Eine Monet- oder Matisse-Kopie auch für kleinere Geldbeutel. Vor gut acht Jahren zog die Galerie Hoheluft um an die Bismarckstraße – neuer Name: Galerie Ambiente. Schon damals gab es Pläne, mehrere alte Häuser an der Hoheluftchaussee abzureißen, um dort neue Impulse für die Einkaufszeile zu setzen. Los ging es erst voriges Jahr. An mehreren Stellen klaffen große Lücken, es wird neu gebaut (siehe Kasten).
Was daraus wird? Renner beobachtet die Anläufe für mehr Attraktivität an der Hoheluftchaussee nun aus der Ferne. Lange engagierte er sich im Quartiersverein der Geschäftsleute, doch der löste sich vor drei Jahren auf. Die Basis brach weg, es gab immer weniger Mitglieder, die die Arbeit schultern wollten.
30 Jahre in Hoheluft: „Es war schön, das war eine tolle Zeit“, sagt Horst Renner zum Abschied.

Einkaufsmeile Hoheluftchaussee - wie geht es weiter?

Zentral gelegen, gut erreichbar, dichtbebaute Wohnquartiere mit Leuten mit mittel bis richtig viel Geld um die Ecke: An sich hat die Einkaufszeile Hoheluftchaussee gute Voraussetzungen. Dennoch gibt es eine Schieflage: Auf der Eimsbütteler – der westlichen Seite – lief es mäßig in den vergangenen Jahren. Leerstand, häufige Wechsel, Verfall. Einige alteingesessene Fachgeschäfte halten sich wacker, aber Kaufleute wie Kunden wünschen sich mehr attraktive Geschäfte, die wieder die einkaufenden Massen anlocken. Mit Neubauten soll sich etwas tun: Zwischen den Hausnummern 65 und 75 enstehen 44 Wohnungen und zwei bis drei Geschäfte. Ein Bio-Supermarkt kommt da rein – der zweite auf der Ecke, der insgesamt fünfte große Lebensmittel-Einzelhandel im näheren Umfeld. Horst Renner hat noch mehr Ideen: „Hier fehlt ein gutes Sportfachgeschäft, so etwas wie eine Parfümerie oder eine große Optikerkette – man braucht immer einen Magneten“, sagt er. „Wenn hier nur noch Gastronomie und Bäcker sind, wird das Viertel irgendwann uninteressant.“
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