Der große Coup im Schanzenviertel

Filmstoff: 1973 kam der „Lord von Barmbeck“ in die Kinos. In den Hauptrollen: Martin Lüttge und Judy Winter. (Foto: pr)

Im Postamt Susannenstraße erbeutete der „Lord von Barmbeck“ 556.000 Mark

Waldemar Düse, Sternschanze – Sein schillerndes Leben ist von Ottokar Runze mit Martin Lüttge in der Hauptrolle verfilmt worden, Ulrich Tukur hat ihn auf der Bühne des St. Pauli-Theaters verkörpert. Nachdem er 1924 vom Landgericht Hamburg zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren „Ehrverlust“ verurteilt wird, schreibt der populäre „Lord von Barmbeck“ seine Lebenserinnerungen.
Der am 7. Oktober 1882 geborene Petersen betreibt seit 1904 eine übel beleumundete Kneipe in Barmbeck, das damals noch mit „ck“ geschrieben wurde. Ein Umschlagplatz für gute Tipps, Anlaufstelle für Ganoven und Kriminelle aller Art. Vor hier aus organisiert er seine Beutezüge. Zwar gehört der geladene Revolver zu Petersen wie seine Socken, aber er versucht, brachiale Gewalt zu vermeiden. Seine große Stärke ist die genaue Vorbereitung. So landet er auch seinen spektakulärsten Coup.
Am 29. September 1920 treffen sich sieben Männer um Mitternacht am S-Bahnhof Sternschanze. Am Bahndamm entlang schleichen sie zum Hinterhof des Postamts 6 in der Susannenstraße. Als sie sich bis zur Tür des Schalterraums vorgearbeitet haben, trauen sie ihrem Blick durch ein Oberlicht kaum: Der Wächter Im Schalterraum ist zwar da, aber, sagen wir etwas abgelenkt: Er vergnügt sich gerade mit einer jungen Frau.
Petersen und seine Kumpane warten in einem hinteren Raum der Schalterhalle und amüsieren sich mit, so gut es eben geht. Als der Wärter gegen halb zwei seine Gespielin wieder in die Nacht des Schanzenviertels hinaus geschoben hat, stehen sie auf einmal mas-kiert vor dem völlig erschrockenen und vor Angst schlotternden Wachmann. Sie fesseln und sperren ihn in einen Schrank.
Dann brauchen die Räuber eine gute dreiviertel Stunde, bis sie 221.000 Mark in bar und 335.000 Mark in Briefmarken zusammengerafft haben. Am Bahndamm entlang ziehen sie bis zum Friedhof Diebsteich, wo die Beute aufgeteilt wird.
Für die Presse eine Sensation. Die Polizei braucht mehr als ein Jahr, bis sie in mühevoller Kleinarbeit die „Barmbeker Einbrechergesellschaft“ wahlweise den „Petersen-Konzern“ entschlüsselt hat: 400 Beteiligte werden schließlich vor Gericht gestellt.
Am 21. November 1933 erhängt sich Adolf Julius Petersen in seiner Zelle in Fuhlsbüttel.
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