Der "ewige" Friedhof von Langenfelde

Michael Studemund-Halévy vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden führte Besucher über den jüdischen Friedhof Langenfelde. Die Inschriften auf den Grabsteinen sind in alt-hebräischer Schrift. (Foto: rs)

Letzte Ruhestätte für orthodoxe Juden – ein Rundgang

Reinhard Schwarz, Langenfelde – Er liegt etwas versteckt, seine Pforten sind meist verschlossen. Der jüdische Friedhof Langenfelde ist nur Anwohnern und Eingeweihten bekannt. Doch ein paar Mal im Jahr öffen sich die Tore, um Interessierten die Geschichte des Ortes näher zu bringen. Michael Studemund-Halévy vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden kann viel erzählen. Es ist ein Friedhof orthodoxer, also strenggläubiger hamburgischer Juden. Die etwa 2.000 Gräber sind vergleichsweise schmucklos, auf der Vorderseite der Grabsteine befindet sich eine Inschrift auf hebräisch, auf der Rückseite meist noch eine Kurzfassung auf deutsch.
Der Friedhof am Försterweg entstand im 19. Jahrhundert aufgrund eines Mangels. Denn für die Gläubigen gab es auf dem Friedhof Ohlsdorf eine jüdische Begräbnisstätte lediglich „auf Dauer“ – aber nicht für die Ewigkeit. Das reichte den orthodoxen Juden nicht, schildert Studemund-Halévy: „Einige sagten: ‚Nie und nimmer gehen wir nach Ohlsdorf.’“ In ihrer Not wandten sich die Orthodoxen an Reichskanzler Bismarck. Der konnte helfen – und so erhielten die orthodoxen Juden 1887 „ihren“ Friedhof in Stellingen, das damals noch zu Schleswig-Holstein und damit zu Preußen gehörte.
Doch warum muss ein jüdischer Friedhof „ewig“ sein? Der Grund hierfür liegt in der jüdischen Religion, so Studemund-Halévy: „Am jüngsten Tag kommt der Todesengel und ruft die Toten mit ihren Namen.“ Doch ohne Grabstein mit dem Namen des Verstorbenen gibt es keine Auferstehung von den Toten. „Über nichts wurde im Judentum mehr gestritten als über Friedhöfe“, erläutert der Experte seinen Zuhörern. „Darüber zerbrachen sogar Freundschaften.“
Der Friedhof am Försterweg wurde 1941 während der Nazi-Herrschaft geschlossen. Seitdem fanden dort keine Beerdigungen mehr statt. Nach Kriegsende 1945 gab es in Hamburg lediglich noch rund 600 Juden, die von der Vernichtung verschont geblieben waren, weil sie in „Mischehen“ mit nicht-jüdischen Partnern lebten, so Studemund-Halévy. Mittlerweile steht der Friedhof unter Denkmalschutz.
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