Der Braumeister von Stellingen

Ein-Mann-Betrieb: Simon Siemsglüss braut in einer Halle in Stellingen Bier. „Hier habe ich jede Flasche einzeln in der Hand, zum Spülen, zum Etikettieren, zum Verpacken.“
 
Bier aus Stellingen für China: Buddelship exportiert unter dem Namen "Nine Dragons Brewery".

Simon Siemsglüss hat sich den Traum von einer eigenen Brauerei erfüllt

Paletten voller Flaschen stapeln sich bis unter die Decke. Bierkartons stehen am Eingang herum. Etiketten mit chinesischen Schriftzeichen werden auf Flaschen geklebt. Willkommen in Stellingens einziger Brauerei.
Simon Siemsglüss hat sich vor gut einem Jahr seinen Traum von einer eigenen Brauerei erfüllt. In einer alten Lagerhalle an der Warnstedtstraße wird seit vorigen Sommer Bier gebraut. Mit Stellinger Wasser, Hopfen, Malz und Hefe aus England, Belgien oder Schottland. „Buddelship“ nennt der 39-Jährige seine Marke, bisher gibt es acht verschiedene Sorten – vom einfachen Pils bis zum ausgefallenen würzigen India Pale Ale. Siemsglüss ist Teil einer neuen Brauerbewegung. Unter dem Namen „Craft Beer“ mischen erfinderische Bierliebhaber die Grundzutaten nach ausgefallenen Rezepten zusammen. Ein befreundeter Brauer füllt bei „Buddelship“ zum Beispiel gerade sein Bier mit Fichtenaroma ab.
Siemsglüss braut mit besonderem Malz aus England oder Belgien. „Das ist voller, kräftiger und würziger. Das India Pale Ale zum Beispiel knallt einen erstmal weg, das ist sehr fruchtig, das kennt man hier so nicht.“ Deutsche Biertrinker gelten als konservativ, aber es gibt mehr und mehr kleine Brauereien wie „Buddelship“, die die eingefahrenen Geschmäcker für Neues begeistern wollen. Gerade experimentiert Siemsglüss mit der Sorte „Hokkaido Twin“, einem Bier mit Kürbisaroma. Das deutsche Reinheitsgebot? „Das ist ausgehöhlt und sinnlos. Das vergisst man am besten.“
Mehrere 1.000 Liter-Stahlbottiche stehen in der Brauerei, ein 2.000-Liter-Tank ragt fast bis unter die Decke. Im Kühlraum reift das Bier bei vier Grad Celsius, ehe es abgefüllt wird.
Bisher ist Buddelship im Prinzip ein Ein-Mann-Betrieb. Brauer Siemsglüss macht fast alles alleine. „Ja, das ist Liebhaberei, man kann das nicht auf halber Kraft machen. Hier habe ich jede Flasche einzeln in der Hand, zum Spülen, zum Etikettieren, zum Verpacken.“ Wenn eine große Lieferung raus muss, helfen Freunde mit. Tausende Flaschen schafft keiner alleine zu verpacken.

Persönlich: Kanada, Berlin, China, Hamburg

Der Stellinger Brauer ist weit herumgekommen in der Welt. Ehe er sich aufs Brauen spezialisierte, studierte er BWL, sattelte dann auf Internationale Politik um. In Kanada machte er seinen Abschluss. Dann verschlug es Siemsglüss über London nach Berlin, wo er sich zum Braumeister fortbildete. In München arbeitete er für Paulaner, für diese Firma ging er ein paar Jahre nach China. Erste Pläne für eine eigene Brauerei reiften. Es dauerte sechs Jahre, bis sie Wirklichkeit wurden. Ursprünglich wollte Siemsglüss seine Biere in China brauen. Das klappte nicht, es gab zu viele Hürden. So landete der gebürtige Eppendorfer wieder in Hamburg. In Stellingen fand er schließlich eine passende Halle. Das an der Warnstedtstraße gebraute Bier wird unter dem Namen „Nine Dragons Brewery“ nach Hongkong exportiert. Durch seine guten Kontakte aus den China-Jahren hat Siemsglüss sich da eine Marktlücke erschlossen. In Hamburg läuft es bisher gut an. „Die Resonanz ist super, das Potenzial noch viel größer“, sagt der Brauer.
❱❱ www.buddelship.de
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