„Den Arsch gerettet hat uns der Fußball“

Knust-Betreiber Karsten Schölermann: „Den Arsch gerettet hat uns der Fußball." Vor dem Konzertschuppen gucken heute Hunderte Spiele des FC St. Pauli. (Foto: KP Flügel)
Hamburg: Knust |

Das Knust ist 40 Jahre alt geworden – Betreiber Karsten Schölermann im Gespräch

K.P. Flügel, Karolinenviertel

Das Knust zählt zu den Hamburger Club-Legenden. Im Laufe seines 40-jährigen Bestehens schrammte der Konzertladen mehrmals an der Pleite vorbei. Seit 2003 ist das Knust in der umgebauten Rinderschlachthalle im Karolinenviertel zuhause. Geschichte schrieb der Club bereits an der Brandstwiete, die Engtanzfeten sind vielen Hamburgern noch heute ein Begriff.
Karsten Schölermann kennt das Knust bereits seit 1977. Damals begleitete er als 16-Jähriger dorthin einen Freund, der jeden Mittwoch auf einer chromatischen Mundharmonika musizierte. „Er bekam 30 Mark, wovon er mir einen Zehner abgab.“ Richtig eingestiegen ist Schölermann in den Knust-Betrieb im Januar 1983. „Mir wurde gesagt, ich sei ein schlechter Sänger, aber ein guter Promoter.“ Also kümmerte er sich um die Ansprache neuer Talente und das Buchen der Bands sowie um den Kontakt zum Vermieter.
Für den Umzug ins Karolinenviertel gab es 78.000 Euro von der Kulturbehörde. „Die waren aber sehr schnell weg, die notwendigen Umbauarbeiten kosteten viel Geld“, sagt Karsten Schölermann. Am Ende hatte er 180.000 Euro Schulden. „Da war ich vollkommen fassungslos.“ Heute werden es noch 40.000 Euro sein, vermutet der Knust-Macher. Dass sich allein mit dem Veranstalten von Konzerten kein Geld verdienen lässt, wusste er noch von seiner Zeit im alten Knust. Da gelang die
finanzielle Sanierung, weil die Engtanzfeten so überaus gut liefen.

Legendär: Johannes Oerding und Ina Müller auf der Bühne

„Den Arsch gerettet hat uns der Fußball, die Euphorie während der EM 2004 und der Aufstieg des FC St. Pauli.“ Vor dem Knust wurden TV-Apparate und eine riesige LED-Leinwand aufgebaut. Public Viewing war für St. Pauli und das Karoviertel erfunden.
Hinzu kam eine Schwarzwald-Bratwurstbude mit rot-weißem Dach, die immerhin schon 60 Jahre hinter sich hatte. „Das hätte ich mir vor zehn Jahren nicht vorstellen können. Und wenn Du jetzt siehst, wie die Leute auf ganz einfache Dinge abfahren … .“ Bei gutem Wetter sind es bis zu 2.000 Leute, bei schlechtem eben nur 200, 300, die zum Fußballschauen auf den Lattenplatz kommen. In der Woche wird der Platz zwischen Schlachthofgebäude und Karostar auch bespielt. „Knust Acustic Sommersessions“ oder „Küchensessions gehen raus“ heißen die Formate. Dann treten meist Newcomer auf, die ein deutlich jüngeres Publikum ansprechen als die Rock-Konzerte.
Eines der legendären Konzerte? Karsten Schölermann: „Ein goldener Moment war sicherlich der Auftritt von Johannes Oerding. Die Show war ausverkauft. Und morgens um 3 Uhr kommt dann Ina Müller auf die Bühne, und beide singen plattdeutsch ‚morgens um halb dree‘.“ Dass beide ein Paar sind, hat er erst einen Monat später erfahren.
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