Dealer im Florapark

Scheinbar friedliche Stimmung im Park hinter der Roten Flora: Doch seit einiger Zeit hat der Handel mit Marihuana und vereinzelt auch mit Kokain wieder zugenommen. Die Polizei reagiert mit verstärkten Kontrollen und Festnahmen.

Polizei hat Problem erkannt und geht gegen Drogenhandel im Park vor.

Von Reinhard Schwarz.
Sonnabendnachmittag: Friedliche Stimmung im Park hinter der Roten Flora, Bässe wummern, Wagemutige stürzen sich auf der Skateboard-Bahn in die Tiefe, auf der Wiese sitzen Gruppen und unterhalten sich. Zugleich liegt eine gewisse Anspannung in der Luft. Der Grund: Im Park handeln Männer mit Drogen, schauen sich nervös um. Einige halten offensichtlich Ausschau nach Uniformierten oder Zivilbeamten, die seit einiger Zeit versuchen, den schwunghaften Handel zu unterbinden.
Die Polizei bestätigt, dass sie zurzeit vor Ort verstärkt gegen den Drogenhandel vorgeht. Marihuana und Kokain werden hier angeboten, sagte Pressesprecher Andreas Schöpflin: „Wir reagieren durch verstärkte Polizeipräsenz und vermehrte Festnahmen.“ Die Dealer würden an den Zugängen zum Park stehen. „Wir sind präsent und gehen mit Rauschgifthunden regelmäßig durch den Park.“ Dabei würden auch „Rauschgiftbunker ausgehoben“, so Schöpflin.
Im Viertel ist das Thema ein offenes Geheimnis, aber öffentlich will kaum jemand drüber sprechen. „Gucken Sie sich das doch selbst einmal eine halbe Stunde an“, rät ein benachbarter Gastronom genervt. Lediglich Esther Daenschel vom Blumenladen „Grüne Flora“ erklärt auf die Frage, ob ihr bekannt sei, dass im Flora-Park wieder verstärkt gedealt werde: „Mir persönlich ist nichts zu Ohren gekommen, aber ausschließen möchte ich das nicht. Ich persönlich habe nichts mitbekommen.“ Sie habe zwar Polizeieinsätze wahrgenommen, doch der Grund dafür sei ihr nicht klar gewesen.
Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen, aber alles wissen – nach dieser Devise lebt offenbar der Platzwart, der im Park nach dem Rechten sieht und hier anscheinend jeden kennt. Er müsse mit allen Parkbesuchern klar kommen, sagt er, und will sich auch nicht äußern. Vorsichtshalber rät er aber einem Amateurfotografen, seinem Hobby nicht allzu offensiv nachzugehen, einige der Park-Besucher könnten dies missverstehen und aggressiv reagieren.
Nach Auskunft der Polizei werden die Kontrollen fortgesetzt, um „einen Verdrängungseffekt zu erzielen“. Auch gebe es Gespräche mit dem Bezirksamt Altona, um gemeinsam eine Lösung gegen den verstärkten Drogenhandel zu finden.

Dazu: Original-Polizeimeldung vom 5. Juli
Tatzeit: 05.07.2012, 16:15 Uhr
Tatort: Hamburg-Altona, Schulterblatt, Florapark
Zivilfahnder des Polizeikommissariates 16 haben gestern einen
20-jährigen Liberianer wegen des Verdachts des Drogenhandels
vorläufig festgenommen.
Die Beamten befanden sich im Rahmen eines Schwerpunkteinsatzes zur
Bekämpfung der Drogenkriminalität im Florapark. Dabei fiel ihnen der
Beschuldigte auf, der bei Anblick der Polizisten versuchte, auf einem
Fahrrad zu flüchten. Am Parkausgang warf der Mann sein Fahrrad zur
Seite und flüchtete zu Fuß weiter. Dabei kam er auf einem Schotterweg
zu Fall und konnte von den Fahndern vorläufig festgenommen werden.
Bei der Durchsuchung seiner Jacke fanden die Polizisten 22
verkaufsfertige Portionstüten mit Marihuana (38,5 Gramm) sowie drei
Kugeln Kokain (0,6 Gramm) und stellten es sicher.
Die weiteren Ermittlungen übernahmen Beamte der Zentraldirektion,
Fachkommissariat Straßendeal (ZD 62). Der 20-Jährige war bereits im
April wegen Marihuanahandels festgenommen worden. Er wurde einem
Haftrichter zugeführt.
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1 Kommentar
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Michael Roob aus St. Pauli | 28.11.2013 | 17:17  
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