„Das war einst unser Zuhause“

Abriss des Elim: Manche Eimsbütteler erinnern sich an alte Zeiten

Anfangs krachten die Mauern des Elim-Krankenhauses recht zügig zusammen, in den letzten Tagen kam der Abriss-Trupp langsamer voran. Das massive Betonhochhaus war nicht mehr so leicht zu knacken wie das Klinkergemäuer rundherum. Zentimeterarbeit: Wie Aliens rupfen die Greifer am Baggerarm das Mauerwerk auseinander. Es riecht nach Staub. In dieser Woche will das Abriss-unternehmen damit beginnen, den Schutt abzufahren. In großen Haufen türmen sich die Überbleibsel des Elim.
Manche Eimsbütteler kommen immer wieder zur Abrissstelle an die Hohe Weide, weil sie etwas mit dem Ort verbindet. Birgit Arlt zum Beispiel: „Das Elim war einst unser Zuhause. Da unsere Eltern 1943 ausgebombt wurden, konnten sie im Elim eine Bleibe finden.“ Auch das Krankenhaus wurde 1943 von einer Bombe getroffen. 25 Patienten und 14
Schwestern starben. „Unsere Eltern bauten es wieder mit auf“, erzählt die Eimsbüttelerin. „Unsere Kindheit verbrachten wir in diesem Werk. Wir erlebten, wie die Schwestern 'ihre Patienten' begleiteten, sie umsorgten, mit ihnen weinten. Wir sind dankbar, dass wir diese Zeit miterleben durften“, sagt Arlt wehmütig.
Das Elim ist bald Geschichte: Bis zum 13. April soll der Bau abgerissen sein. Etwa 800 Las-terladungen Schutt müssen abtransportiert werden. Ein Teil des Elim bleibt noch stehen, bis ein Facharztzentrum gebaut ist. Dann fällt der Rest. Zudem entstehen eine Tiefgarage und eine öffentliche Sporthalle.

Baukosten: 1,25 Millionen Reichsmark
Gebaut wurde das Elim ab November 1925, die Eröffnung war im Januar 1927. Das Krankenhaus war Teil eines Verbunds von Pflege- und Krankeneinrichtungen, die die freichristliche Gemeinschaft „Philadelphia“ gründete. Dazu gehörte auch die Arbeit von Diakonissen, christlichen Schwestern. Diese Gemeinschaft hatte ihr Mutterhaus ebenfalls ab 1927 im Elim. Wochenblatt-Leser Dirk Schürer hat ein paar Fakten zu dem Gebäude aufgestöbert. Das Haus des Architekten Theodor Speckbötel bestand aus drei Bereichen: Zum einen war da das Krankenhaus mit 162 Patientenbetten und 50 Säuglingsbetten sowie Operationstrakt, Entbindungsabteilung mit zwei Kreißsälen und weitere Spezialabteilungen. Dann gab es ein Mutterhaus mit 80 Betten für die Diakonissen. Zudem gab es ein Gemeinschaftshaus mit drei Sälen. Dmalige Baukosten: 1,25 Millionen Reichsmark, 520.000 Mark kosteten die technischen Anlagen. Für die damalige Zeit galt das Elim als modern. Für die Denkmalschützer ist das Krankenhaus übrigens uninteressant. Unter Schutz stand der Bau nicht, auch eine Meinung zum Abriss hat die Behörde nicht.
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