Das war 2015: Wir und die Flüchtlinge

Willkommensfest im Karolinenviertel im August: Einheimische und Flüchtlinge aus den Messehallen feiern auf dem Tschaikowskyplatz. Von Anfang August bis Ende September waren 1.200 Geflüchtete in einer Messehalle untergebracht – Hamburger organisierten in Eigenregie Hilfe. (Foto: JOTO)

Kommentar:  Bürger und Behörden entwickeln eine neue Helferkultur

Ein leerstehender Baumarkt, ein Parkplatz, eine Freifläche irgendwo zwischen Hauptverkehrsstraße und Autobahn, eine Messehalle. Zweckbauten. Ecken, an denen man sonst nicht anhält – ab dem Spätsommer wurden sie zu Zufluchtsstätten. Für Menschen aus Afghanistan, Syrien, Irak, Eritrea. Junge Männer, Jugendliche, Frauen und Kinder, Familien, die in ihren Heimatländern keine Zukunft mehr sahen.

Bürger und Behörden: Keiner hatte einen Plan


Es ging schnell. Es war überraschend. Keiner hatte einen Plan. Nicht die Behörden, nicht die Hilfsorganisationen. Nicht die Bürger Hamburgs. Und was passierte? Alle machten etwas – irgendwie.
55.000 Flüchtlinge sind bis Ende November nach Hamburg gekommen. Sie brauchen ein Dach über dem Kopf, Essen, Kleidung, ärztliche Hilfe.
Die bewegenden traurigen Geschichten vom Mittelmeer, aus Ungarn und der Türkei, die wir im Fernsehen sahen, wurden plötzlich real. Weil hier Menschen waren, die Not und Angst auf ihrem Weg nach Deutschland erlebt hatten. Diese Geschichten waren nun in unserer Nachbarschaft – unter uns.
Die Behörden versuchten so viele Menschen wie möglich so schnell wie möglich unterzubringen. In leerstehenden Gewerbegebäuden und Hallen in Stellingen, Eidelstedt und Niendorf. In den Messehallen im Karolinenviertel. 1.200 Menschen auf engstem Raum. Pläne für Containerdörfer und erste Wohnbauten wurden eilig entworfen.
Und wir Bürger? Tausende packten mit an – jeder auf seine Weise. Schränke wurden nach Klamotten durchforstet, Essen an den Bahnhof gebracht. Sammelstellen entstanden wie aus dem Nichts. Innerhalb weniger Wochen wuchs die improvisierte Kleiderkammer in den Messehallen zu einem Lager mit Tausenden Paletten und Dutzenden Tonnen an Hilfsgütern. Ehrenamtliche starteten eine Kinderbetreuung, organisierten Ausflüge, Sportkurse. Feierten ein großes Willkommensfest.
Und die Leute machen weiter, in Unterkünften in Eidelstedt und Stellingen, in Lokstedt und Schnelsen, in Bahrenfeld und Osdorf. Es ist eine Art neue Helferkultur enstanden. Jeder bringt etwas ein – Zeit, Ideen, Spenden. Gemeinsam können Bürger etwas bewegen, manchmal schneller und effizienter als Behörden. Das hat 2015 gezeigt.

Integration: Jeder kann etwas geben

Keiner sagt, dass es einfach wird, tausende Menschen von heute auf morgen in Hamburg zu integrieren. Aber alle können etwas geben. Wir, die Bürger Hamburgs. Und irgendwann auch die Geflüchteten, wenn sie hier bleiben wollen und Fuß gefasst haben. Es kommt darauf an, welche Chancen wir ihnen geben, damit sie etwas zurück-geben können.
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