Das rote Netzwerk von Eimsbüttel

Eimsbüttels Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD) will viel bewegen und ist Kleingärtner an der Hohen Weide. Half er nach, um Baupläne zu vereiteln, die Nachteile für die Lauben haben könnten? Sevecke erklärte sich mittlerweile für befangen in der Sache, alle Entscheidungen treffe fortan sein Stellvertreter. Foto: cv

Wie eine kleine Gruppe von Bürgern ihre Eigeninteressen verfolgt – mit Unterstützung der SPD

Sie wehren sich gegen einen Zaun. Im Garten von Mietshäusern an der Hohen Weide in Eimsbüttel will der Eigentümer das Grün aufteilen und einzäunen. Eine Gruppe von Mietern ist auf Zinne und setzt alle Hebel in Bewegung, um das zu verhindern. Das ist nichts Ungewöhnliches. Interessant ist, wie die Gruppe das anstellt.
Ich wurde auf eine Facebook-Seite eingeladen, als Pressevertreter. Da steht allerhand Material. Es wird eingeräumt, dass man rechtlich gegen den Plan des Eigentümers wohl nichts machen könne. „Also müssen wir über die Medienschiene (Tränendrüse). Da sollte was gehen!“ Das schreibt nicht irgendwer, sondern Silke Sevecke, Frau des Bezirksamtsleiters Torsten Sevecke. „Torsten sagt, rechtlich ist das leider ok“, heißt es zuvor. Beide haben eine Parzelle im Kleingartenverein Hohe Weide, der auch von den Zaunplänen betroffen ist.
Obwohl seine Behörde keinen Zwang zum Handeln hat, werden die Beamten aktiv. Ohne Anweisung des Behördenleiters? „Ich halte mich da raus, kann aber nicht ausschließen, dass sich im Amt jemand motiviert fühlt, da bekannt ist, dass ich dort Kleingärtner bin“, sagt Sevecke.
Rufen normale Bürger im Bezirksamt an, um über Stolperfallen auf Gehwegen und Müllberge zu klagen, passiert häufig nichts. Doch die kleine, gut organisierte Gruppe an der Hohen Weide schafft es schnell, etwas in Bewegung zu setzen. Flugs war eine Mitarbeiterin der Bauprüfabteilung vor Ort, um sich die Sache anzusehen.
Auch die SPD-Fraktion ist auf den Zug aufgesprungen. Lokalpolitiker Hans-Dieter Ewe zieht in der Fraktion die Strippen in Sachen Zaunärger. Auf dessen Initiative hin wurde das Amt aktiv, so Sevecke. Also hat der findige Parteifreund auf eigene Faust Behördenmitarbeiter in Gang gesetzt? Jedenfalls passierte dann schnell was.
Die Initiatorin des Protests vermerkt erfreut, „dass es auch hinter den Kulissen auf der politischen Ebene richtig abgeht“. Das rote Netzwerk funktioniert offenbar wie geschmiert.
Sevecke hat sich in der Sache für befangen erklärt. Alle möglichen Entscheidungen treffe nun sein Stellverteter im Bezirksamt, sagte der Behördenchef am Freitag.
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2 Kommentare
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Fran Kee aus Eimsbüttel | 11.12.2012 | 17:32  
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Fran Kee aus Eimsbüttel | 17.08.2013 | 17:24  
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