„Das ganze Haus vibriert!“

Abriss in der Fettstraße 30: Mit Staub und Getöse verschwindet ein alter Gewerbebau. Etwa 40 Nachbarn informierten sich bereits über Mietminderungen.

Abriss und Neubau in der Fettstraße 30: Anwohner leiden unter Lärm

Rumms! Immer wieder knallt die Baggerschaufel auf einen Brocken Beton. Abriss in der Fettstraße 30: Nachbarn werden auf eine harte Probe gestellt. „Es ist tierisch laut, das ganze Haus vibriert, wenn die im Hof Betonteile zertrümmern“, klagt eine Anwohnerin. Sie und ihre Nachbarn hätten bereits erste Risse in den Wänden festgestellt – vermutlich als Folge der Erschütterungen.
In dem engen Hinterhof lässt das Unternehmen Hochtief Luxus-Eigentumswohnungen bauen (Quadratmeter-Preis: bis zu 6.500 Euro, Werbeslogan: „Echt Fett“). 24 Einheiten entstehen in dem drei- bis fünfgeschossigen Komplex. Der Lärm ist derzeit die größte, aber nicht die einzige Sorge der Anwohner. In der Bellealliancestraße 60 bis 66 geht es um den schönen Garten in der Wohnanlage (das Wochenblatt berichtete). Teile davon werden dem Neubau vermutlich zum Opfer fallen, drei Kiefern wurden bereits gefällt.
Was die Anwohner ärgert: Sie wurden vorab nicht informiert, nicht angehört zu dem Neubauvorhaben direkt neben ihrem Grund und Boden. Dabei kriegen sie bis zu drei Geschosse Neubau vor die Nase, wo vorher ein eingeschossiger Gewerbebau stand. Weniger Licht, mehr Schatten, Feuerschutz, Abgase von Tiefgaragenausfahrten: Da geht es um den Wert des Eigentums der Nachbarn. Das Bezirksamt teilt auf Wochenblatt-Nachfrage lapidar mit: „Öffentlich rechtlich geschützte Nachbarbelange sind nicht betroffen.“ Der Grund: Ein Teil des Grundstücks, auf dem zum Beispiel der liebevoll gehegte Garten der Wohnanlage in der Bellealliancestraße 60 bis 66 liegt, gehört laut Bezirksamt nicht mehr der Eigentümergemeinschaft. In der Flurkarte, dem offiziellen Verzeichnis mit den Grundstücks-grenzen, ist ein schmaler Streifen eingezeichnet – Reste eines alten Wegs entlang der Grundstücke, und im Besitz der Stadt, wie Bewohner auf Nachfrage erfuhren. Also keine Einspruchsmöglichkeiten der direkten Nachbarn. Pech.
Die massive Höhe des Neubaus – drei Geschosse, obwohl der Bebauungsplan nur eins vorsieht – wurde laut Bezirksamt bereits in einem Vorbescheid von 2004 erlaubt. In der Baugenehmigung vom März diesen Jahres sind nun bis zu 14 Meter Gebäudehöhe zulässig.
Die Nachbarn wollen den Lärm und andere Störungen nicht einfach so hinnehmen. Vorige Woche trafen sich etwa 40 Mieter aus umliegenden Häusern, um sich von Experten des Vereins Mieter helfen Mietern über Mietminderungen beraten zu lassen. Es braut sich womöglich was zusammen in der Fettstraße, Bellealliancestraße und Weidenallee.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.