Das erste Bett seit 18 Jahren

Rund 1.300 Menschen sind in Hamburg obdachlos – nicht jeder hat das Glück, einen Schlafplatz im Warmen zu bekommen. (Foto: Foto: Henning Hraban Ramm/pixelio.de)

Es wird kalt – ein Gespräch mit einem Hamburger Obdachlosen

Von Leonie Haenchen, Eimsbüttel – Eisige Winde, Minusgrade – in Hamburg kündigt sich der Winter an. Für die meisten Menschen ist das bloß eine ungemütliche Jahreszeit. Für die rund 1.300 Obdachlosen in der Stadt ist es ein Kampf ums Überleben. Matze P. wird diesen Winter nicht im Freien verbringen müssen – das erste Mal seit 18 Jahren. Bis vor zwei Wochen hat der fast 70-Jährige noch auf der Straße gelebt. Doch er hat Glück gehabt und einen Platz in einer kleinen Kirchenkate ergattert.
Seinen echten Namen möchte er nicht nennen, auch Fotos lehnt er ab. Warum er auf der Straße gelebt hat? Das sagt er nicht. Er hat Pfandflaschen gesammelt und konnte sich damit notdürftig über Wasser halten. Nachts hat er in einem Zelt in Parks geschlafen. „Ja, auch im Winter“, sagt er nickend.„Ich hatte ein solides Zelt und einen sehr guten Schlafsack. Gefroren habe ich eigentlich nie wirklich.“
Jahrelang ist Matze P. ohne staatliche Hilfe ausgekommen. Zwischenzeitlich hielt er sich im Ausland auf, in Spanien und in Frankreich. Aber dann zog es ihn zurück in seine Heimat Hamburg.
Nun geht er auf die 70 zu, und beginnt ernsthaft über seine Situation nachzudenken. „Mir wurde klar, dass ich mich langsam um meine Gesundheit kümmern muss.“ Von anderen Obdachlosen auf der Straße erfuhr er von der Diakonie und ihren sozialen Einrichtungen.
Seit einem Monat kommt Matze P. jeden Tag in die Aufenthaltsstätte für wohnungslose Menschen, die die Diakonie in der Bundesstraße in Eimsbüttel betreibt. Hier hat er sich eine Postadresse einrichten können, bekommt Essen und wird ärztlich versorgt. Für den vermittelten Platz in der Kirchenkate ist er sehr dankbar. „Man muss Eigeninitiative zeigen, dann wird einem geholfen. Die Diakonie tut sehr viel, das rechne ich denen hoch an“ sagt er.
Auch wenn es wieder ein eisiger Winter wird, Matze P. wird ihn wohl gut überstehen. Doch der Obdachlose will ganz sicher sein: „Den Schlafsack habe ich immer noch.“

Anlaufstellen für Obdachlose:
- Tagesaufenthaltsstätte im Diakoniezentrum für wohnungslose Menschen: Bundesstraße 101, Nähe U-Bahn-Station Christuskirche
- Tagestreff für obdachlose Frauen („Kemenate“): Charlottenstraße 30, Nähe U-Bahn-Station Emilienstraße
- Schlafplätze im Rahmen des Winternotprogrammes:Spaldingstraße 160
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