Damals im Kaifu

Aula des Gymnasiums Kaiser-Friedrich-Ufer: Die Holzvertäfelungen und die Orgel auf der Empore gibt es auch heute noch. Die Wandverzierungen von damals sind leider nicht mehr zu sehen. (Foto: pr)

Gymnasium Kaiser-Friedrich-Ufer: Ehemalige Schüler erzählen

Aimée Polzin, Eimsbüttel – Das Gymnasium Kaiser-Fried-rich-Ufer (Kaifu) feierte das 100-jährige Bestehen des markanten Gebäudes. Anlässlich dieses Jubiläums trafen sich Schüler und betagte Exschüler der „Vereinigung Ehemaliger des Gymnasiums Kaiser-
Friedrich-Ufer“, die vor rund 55 Jahren die Schule besuchten.
Im Gespräch zwischen Jung und Alt wurde schnell klar: Vieles hat sich geändert. Das Kaifu war damals eine reine Jungenschule. Erst ab 1968 gingen Jungen und Mädchen gemeinsam in die Schule. Der Unterricht am Sonnabend wurde abgeschafft, und es hält heute auch keine Straßenbahn mehr vor der Schule.
Auch die Lernmethoden haben sich geändert: Reines Auswendiglernen wird heutzutage vermieden, Frontalunterricht wird mehr und mehr abgeschafft. „Im Unterricht damals war es ziemlich ruhig“, erzählte einer der Senioren. Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern war distanzierter. Die Kinder und Jugendlichen wurden gesiezt, zur Begrüßung mussten sie aufstehen.
Einige andere Dinge veränderten sich dagegen kaum. Die Räumlichkeiten sehen heute noch ziemlich genau so aus wie damals, insbesondere die Aula. Günther Voß (72) erinnert sich an seine Lehrer: „Einige mussten Fächer unterrichten, die sie selbst nicht studiert hatten. Ein Lehrer hatte einen Arm im Krieg verloren, und baute die Versuche mit seiner Hakenhand auf.“ „Wurde auch gefeiert?“, fragte ein jetziger Schüler. „Damals gab es nichts, das man hätte auftischen können“, erzählten die Ehemaligen. Gefeiert wurde daher fast nie. Musik gab es aber trotzdem: In Freistunden setzten sich die Schüler an den schuleigenen Flügel. Von den musikalischen Künsten ihrer damaligen Mitschüler schwärmen die Ehemaligen noch heute.
An die Strafen erinnern sie sich hingegen nicht mehr gerne. Körperliche Züchtigungen waren zwar nicht mehr üblich, dafür aber schriftliche Strafarbeiten. Zum Beispiel musste der Satz „Das Zuspätkommen ist eine Gier, doch weiter kommt man ohne ihr“ aufgeschrieben werden.

Zur Geschichte der Schule

Unter dem Namen „lateinlose höhere Bürgerschule für Jungen“ wurde die Schule 1892 gegründet. Zunächst wurden in einer Villa etwa 50 Schüler unterrichtet. Aufgrund des Andrangs zog die Schule 1895 mit neuem Namen in ein Gebäude am Weidenstieg um. Bald reichte auch hier der Platz nicht mehr aus, so dass das Kaifu-Gymnasium - zusammen mit dem Eimsbütteler Turnverband (ETV) - auf dem sumpfigen Boden am Isebekkanal das herrschaftliche Gebäude von heute errichtete.
Es verstand sich auch als eine „Festung gegen das rote Eimsbüttel“. Eingeweiht wurde das Kaifu am „Geburtstage seiner Majestaet des Kaisers“ am 27. Januar 1913. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg diente die Schule als Lazarett.
Mittlerweile ist das Sand- und Backsteingebäude im Jugendstil denkmalgeschützt. Die alten Verzierungen an den Decken sind heute aber leider nicht mehr zu sehen.
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