„Bitte schlagen sie uns nicht dafür“

Rund 100 Bürger waren zur Sitzung des Stadtplanungsausschusses ins Bezirksamt Eimsbüttel gekommen. (Foto: rs)

Stadtplaner stellten Neubauprojekte in Eidelstedt vor: 550 bis 750 Wohnungen für Flüchtlinge

Von Reinhard Schwarz

Die Stimmung war gereizt bis aggressiv: Zur jüngsten Sitzung des Stadtplanungsausschusses im Bezirksamt Eimsbüttel kamen rund 100 Bürger – zum Großteil aus Eidelstedt. Der Anlass sorgt schon seit Wochen für Unruhe in den betroffenen Stadtteilen. Denn am Hörgensweg, am Duvenacker und am Ellerbeker Weg sollen noch in diesem und dem nächsten Jahr maximal etwa 650 bis 800 Wohnungen für rund 4.000 Flüchtlinge entstehen.
Für viele ist das eine Zumutung. Viele fürchten eine „Ghettoisierung“ durch die Zusammenballung von so viel Flüchtlingen an einem Ort, eine vernünftige Integration der Zuwanderer sei so nicht möglich. Manche äußerten ihren Unmut durch Pöbeln. „Die sind alle illegal hier!“, rief ein Bürger und ergänzte: „Nach deutschem Recht!“ Ausschussvorsitzender Frank Döblitz (CDU) rief den Zwischenrufer zur Ordnung: „Entweder Sie hören zu oder sie verlassen den Raum!“ Der Pöbelnde gab schließlich Ruhe.

Noch ganz am Anfang der Planung
Die wohl größte Anzahl an Wohnungen für Schutzsuchende entsteht am Hörgensweg, auf der sogenannten Luserke-Fläche in Eidelstedt-Nord, die vor rund 20 Jahren als Gewerbegebiet eingeplant war, nur fanden sich bisher keine geeigneten Investoren. Nun sollen dort 400 Wohnungen für etwa 2.000 Menschen in zweigeschossiger Bauweise entstehen, erläuterte Rolf Schuster vom Stadtamt für Stadt- und Landschaftsbau. Man befinde sich noch ganz am Anfang der Planung: „Wir haben noch kein Konzept, wir sind noch in der Diskussion.“ Schuster verdeutlichte, dass der Senat eigentlich 600 Wohnungen dort umgesetzt haben möchte. Denn das Gebiet sei eine sogenannte große Acht-Hektar-Fläche, und von diesen gebe es in Hamburg nicht mehr allzu viele.
Wesentlich weniger Wohnungen sollen mit 115 Einheiten für rund 550 Menschen hingegen am Duvenacker entstehen, erläuterte Schuster. Geplant seien dreigeschossige Häuser, Bauherr werde die Saga GWG sein.
Darüber hinaus sollen am Ellerbeker Weg 35 zweistöckige Reihenhäuser für voraussichtlich 175 Personen entstehen, so Schuster. Viele Parteienvertreter verdeutlichten, sie würden die Senatsvorgaben nur zähneknirschend umsetzen wollen. Lutz Schmidt (FDP) erklärte in Richtung der anwesenden Bürger: „Bitte schlagen Sie uns nicht dafür, schlagen Sie die Bürgerschaft.“
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2 Kommentare
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Ina Meier aus Eidelstedt | 24.01.2016 | 13:40  
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Ina Meier aus Eidelstedt | 30.01.2016 | 16:32  
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