Bis zum Abitur auf Hebräisch

Englisch-Unterricht: In der Klasse fünf lernen zurzeit zehn Schüler. Auch Hebräisch ist verpflichtend an der Ganztagsschule. Foto: ar

Vorgestellt: Die jüdische Joseph-Carlebach-Schule im Grindelviertel

Von Anne Rose, Grindel – Moderner Unterricht und jüdische Traditionen: Seit vier Jahren gibt es die Joseph-Carlebach-Schule im Grindelviertel. Zurzeit lernen 104 Schüler von der Vorschule bis Klasse fünf in der jüdischen Privatschule. „Angefangen haben wir mit zwölf Schülern. Jetzt sind wir erstmals wieder eine jüdische Stadtteilschule, ganz in der Tradition der alten Talmud-Tora-Schule“, freut sich Schulleiter Gerd Gerhard. 100 Jahre alt ist das Gebäude im Grindelhof 30, in das 1911 der Vorgänger der heutigen jüdischen Schule einzog. 1939 schlossen die Nationalsozialisten diese.
„Unser Ziel ist es, im Jahr 2020 wieder das Abitur anzubieten“, sagt Gerhard. Maximal 18 Schüler pro Klasse werden von zwei Lehrern unterrichtet. Englisch ist in der Ganztagsschule ab der ersten Klasse Pflicht, dazu gibt es Wissenschafts-Projekte mit der Uni und Kurse von Russisch bis Gitarre. „Mit unserem ‚Förderband-Konzept’ werden die Schüler individuell gefördert, ob es sich um Schüler mit Handicap handelt oder es um die Förderung hochbegabter Kinder geht“, erklärt Gerhard das Konzept.
Auch jüdischer Religionsunterricht und Hebräisch sind für alle Schüler verpflichtend, der Schultag beginnt mit einem Gebet, die Mahlzeiten sind koscher. Dabei sind nicht alle Schüler jüdischen Glaubens. „Unsere Schüler bringen alle ein großes Interesse am jüdischen Leben mit“, erzählt Gerhard, der selbst katholisch ist. „Zurzeit sind etwa 60 Prozent der Schüler jüdischen Glaubens, genauso wie vier der elf Lehrer.“
Der Namensgeber Joseph Carlebach war der letzte Oberrabbiner Hamburgs und fünf Jahre lang Leiter der Talmud-Tora-Schule, bis er 1942 zusammen mit seiner Frau von den Nazis deportiert und in Riga ermordet wurde. „Er baute die Schule zu einer modernen Reformschule aus“, erzählt Gerhard. „Viele Ansätze, die heute von der Politik gefordert werden, wurden hier schon umgesetzt, etwa die gezielte Berufsvorbereitung.“
Das Schulgeld der staatlich geförderten Privatschule ist sozial gestaffelt, es werden Stipendien vergeben.

Festakt und Infotag:
Am Sonntag, 11. Dezember, lädt die Schule im Rahmen des Festakts „100 Jahre Talmud Tora Schule im Grindelhof“ ab 12.30 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Bei Kaffee und Kuchen gibt es unter anderem Probeunterricht und Musikvorstellungen. Achtung: Besucher müssen ihren Personalausweis oder Pass mitbringen.
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