Bibliothekar darf bleiben – aber die Schule muss zahlen

Ayling (12, r.) und Julian (17) lassen sich in der Schulbibliothek der Ida-Ehre-Schule gerne von Bibliothekar Patrick Katzer beraten. (Foto: fh)

Streit um Stelle:Behörde wälzt Kosten auf Ida-Ehre-Schule in Eimsbüttel ab

Von Frauke Heiderhoff, Eimsbüttel – Die gute Nachricht: Bibliothekar Patrick Katzer kann weiterhin an der Ida-Ehre-Schule arbeiten. Die schlechte Nachricht: Die Eimsbütteler Stadtteilschule muss die Stelle aus eigenen Mitteln bezahlen. Das Geld fehlt dann an anderer Stelle.
Im Rahmen eines Modellversuchs wurden an der Ida-Ehre-Schule und an acht anderen Schulen in Hamburg ab 2009 moderne Bibliotheken eingerichtet. Besonders Kinder aus bildungsfernen Schichten sollten sich so die Welt des Lesens erschließen. Bei positiver Bewertung sollte die Schulbehörde weiter das Geld zur Verfügung stellen. Doch das versprach eine andere Regierung – der heutige Schulsenator Ties Rabe (SPD) distanziert sich davon. Rabe: „Es kann nicht willkürlich eine Schule auf Kosten der anderen besser gestellt werden.“ Das sei „unvernünftig und ungerecht“.
Elisabeth Wendland, Leiterin der Ida-Ehre-Schule, verhandelt derzeit noch mit der Schulbehörde. „Ich finde deren Verhalten unfair“, so die Direktorin. Es habe eine Absprache gegeben. Genau wie Katzer ist sie überzeugt davon, dass das Projekt positiv bewertet wird. Katzer: „Ich bin mir sogar zu 100 Prozent sicher, dass dies der Fall ist.“
Mit ähnlichem Unverständnis reagieren die Schüler. „Wir werden sehr gut beraten“, so Aylin (12) und Julian (17). Aylin schaut jeden Tag in der Bibliothek vorbei. Erst vor einer Woche hatte Katzer ihr „den tollen Tipp ,Greg’s Tagebuch'“ gegeben.
Wie geht es weiter? Die Schulleiterin ist bereit, die Stelle – befristet für ein Jahr – aus Vertretungsmitteln zu bezahlen. „Langfristig ist dies jedoch problematisch“, so Wendland. „Wenn viele Lehrer krank werden oder Lehrerinnen wegen Schwangerschaft ausfallen, benötige ich Vertretungen“, sagt die Direktorin. Auch der Bibliothekar müsse Sicherheit in punkto Stelle haben. „Eine Schulbibliothek ohne Fachkraft zu versehen, ist nicht richtig“, bilanziert Wendland. Es müsse einen Experten geben, der Kinder mit Sachverstand berät. Eine Notbesetzung – beispielsweise mit wechselnden ehrenamtlichen Mitarbeitern – möchte sich Wendland nicht vorstellen.

Zahlen zur Bibliothek
Etwa 3.700 Medien gibt es in der Ida-Ehre-Schulbibliothek, 530 von 900 Schülern der Klassen 5 bis 10 sind Nutzer. 2010 wurde die Bibliothekarsstelle geschaffen. Zum Start 2009 hieß es noch, dass dieses Modellprojekt 2012 ausgeweitet werden soll. Davon ist nun keine Rede mehr. Zwischenberichte belegen laut Bücherhallen hingegen einen „außerordentlichen medienpädagogischen Erfolg“.
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