Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke geht - warum?

Nach seiner Wiederwahl im Dezember 2015 sagte Sevecke, er werde weitere sechs Jahre in Eimsbüttel bleiben. Nun verkündete der Bezirksamtsleiter den Wechsel in die Wirtschaftsbehörde.

Behördenchef wechselt in die Wirtschaftsbehörde

Im Dezember betonte Torsten Sevecke (SPD), dass er weitere sechs Jahre als Bezirksamtsleiter in Eimsbüttel bleiben will. Da war er gerade wiedergewählt worden – mit einem ausreichenden, aber nicht spektakulären Ergebnis. Ein gutes halbes Jahr später verkündet Sevecke seinen Abgang. Im Oktober werde er in die Wirtschaftsbehörde wechseln. Die Gründe sind unklar, offiziell äußerte sich der Amtschef bisher nicht dazu. Hat er genug von Eimsbüttel?
Seit 2010 leitete der Sozialdemokrat aus Hoheluft-West das Bezirksamt mit seinen knapp 1.000 Mitarbeitern. Er startete mit großen Ankündigungen, von denen so manche im politischen und behördlichen Alltag nicht durchzuhalten waren. Eine umfassende Beteiligung der Bürger und Initiativen, keine Kürzungen im sozialen Bereich, mehr als 500 genehmigte Wohnungen pro Jahr, Verbleib der Universität in Eimsbüttel, Lösung des Isebek-Konflikts. In Sachen Wohnungsbau und Uni lief und läuft es gut: Eimsbüttel winkt deutlich mehr als 500 Wohnungen pro Jahr durch, die Uni wird im Kerngebiet ausgebaut.

Er verstand es, sich zu inszenieren

Sevecke verstand es, sich öffentlich zu inszenieren. Mit dem Umbau der Osterstraße, mit Planungen zur Uni, mit Ideen für den Wohnungsbau. Manche Themen kamen bei Politikern, auch bei Parteifreunden, und vor allem bei Bürgern nicht gut an. Geht es in Eimsbüttel um Bäume oder Grün – sei es am Isebek oder am Eidelstedter Platz – stimmen die Bürger meist gegen die Pläne der etablierten Politik.
In Seveckes erste Amtszeit fallen zum Beispiel so unpopuläre Entscheidungen wie die Schließung des Stellinger Kundenzentrums, womit er die gesamte Bezirkspolitik düpierte, sowie vom Senat erzwungene Kürzungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Sevecke boxte das vor Jahren umstrittene Wohnhaus am U-Bahnhof Hoheluftbrücke durch.

Sein Amt hatte immer wieder Probleme mit aktiven Bürgern

Und sein Amt hatte immer wieder Probleme mit aktiven Bürgern: Es räumte ein von einem Bürger gepflegtes Ein-Quadratmeter-Beet und machte sich damit hamburgweit lächerlich. Ähnlich beim Streit um einen von Anwohnern etablierten Tauschtisch am Stellinger Weg.
Die seit Jahren bekannten Probleme in den Kundenzentren – lange Wartezeiten, zu wenig Mitarbeiter – bekam er nicht in den Griff. Zuletzt musste Sevecke immer wieder Kritik einstecken, weil das Bezirksamt am Hörgensweg in Eidelstedt eine Flüchtlingsunterkunft bauen lassen will.
Von der rot-grünen Mehrheit wurde der Behördenleiter gestützt – trotz mancher kritischer Stimmen in den Reihen von SPD und Grünen. Torsten Sevecke soll ab Oktober Senatsdirektor in der Wirtschaftsbehörde sein. Zukünftig wird er sich dann um Luftfahrt, Hafen und Mittelstandsförderung kümmern. Die Eimsbüttel-Koalition will nun per Ausschreibung einen neuen Bezirksamtsleiter finden.

Reaktionen

Von Vertretern der rot-grünen Mehrheit in Eimsbüttel wird Seveckes Amtszeit als „erfolgreich“ gelobt.
Bei Politikern der Oppositionsfraktionen hinterlässt der Wechsel zumindest Fragezeichen. Für Hartmut Obens, Linke-Fraktionschef, kommt Seveckes Abgang zu einem ungünstigen Zeitpunkt für den Bezirk, „was die weitere Entwicklung des Wohnungsbaus und der notwendigen sozialen Infrastruktur für Geflüchtete und Wohnungssuchende angeht“. Ob die zuletzt „fehlende politische Sensibilität bei bezirkspolitischen Entscheidungen und der Frust über erfolgreiche Bürgerproteste“ beim Wechsel eine Rolle spielten, will Obens nicht beurteilen.
„Sein Ansehen als Bezirksamtsleiter mit dem Anspruch, die Bürgerinnen und Bürger bei wichtigen Entscheidungen so weit wie möglich zu beteiligen und auf Anwohnerexpertise zu setzen, hat darunter gelitten und sich auch ein Stück weit als bloßes Versprechen erwiesen“, so Obens.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.