Betrug im Namen des Herrn?

Da war die Welt noch in Ordnung: Pastor Torsten Schweda, Chef von Alten Eichen, bei einer Veranstaltung auf dem Gelände der Diakonissenanstalt in Stellingen. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betrugs gegen die kirchliche Stiftung. Foto: rs

Leiharbeit und Lohndumping: schwere Vorwürfe gegen Diakonissenanstalt Alten Eichen – Staatsanwaltschaft ermittelt

Von Reinhard Schwarz, Stellingen – Der Diakonissenanstalt Alten Eichen in Stellingen werden Steuer- und Versicherungsbetrug, illegale Leiharbeit und Lohndumping vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft Hamburg bestätigte gegenüber dem Elbe Wochenblatt, dass sie gegen die kirchliche Einrichtung ermittelt. Den Stein ins Rollen gebracht hat die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, die nach eigenen Angaben das Diakonische Werk schon vor über einem Jahr auf die angeb-lichen Missstände hingewiesen habe – ohne Erfolg. Die Diakonissenanstalt Alten Eichen gehört zur Diakonie, dem Wohlfahrtsverband der Evangelisch-Lutherischen Kirche.
Worum geht es? Laut Ver.di hat Alten Eichen eine Leiharbeitsfirma gegründet, um hausintern Mitarbeiter zu Niedrigtarifen zu verleihen. Diese Praxis, so Ver.di, verstoße vor allem gegen Grundsätze der Diakonie, die Mitgliedern sogar den Ausschluss androht, falls sie sich an derartigen Machenschaften beteiligten.
Ver.di-Mitarbeiter Arnold Rekittke: „Bei Alten Eichen bekommen die betroffenen gelernten Fachkräfte neun bis zehn Euro die Stunde, obwohl der Tarifvertrag für diese Gruppe bei rund 14 Euro die Stunde liegt.“ Rekittke zufolge hätten manche Mitarbeiter zwei bis drei Arbeitsverträge und würden trotzdem nicht über die Runden kommen.
Ein weiterer Vorwurf: Alten Eichen beschäftige 400-Euro-Kräfte in sogenannten Mini-Jobs. Diese Mini-Jobber be-
kämen zusätzlich 175 Euro monatlich als steuerfreie „Aufwandsentschädigung“ für angeblich ehrenamtliche Betreuung. Aus Sicht von Ver.di soll so reguläre Arbeit kaschiert werden, um Steuern und Sozialabgaben zu sparen.
Alten Eichen bestreitet den Sachverhalt nicht, hält die von Ver.di beklagte Praxis allerdings in Teilen für rechtens. Derzeit äußert sich die Anstaltsleitung nicht zu Details (siehe Kasten).
Nun will das Diakonische Werk die Vorkommnisse in Alten Eichen aufklären. Das Problem dabei: Alten Eichen-Chef Schweda ist auch Aufsichtsratsvorsitzender des Diakonischen Werks Hamburg – und müsste bei der Aufklärung dieser Vorwürfe gegen sich selbst ermitteln.

Reaktion von Alten Eichen:
Die Diakonissenanstalt Alten Eichen will sich aktuell zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen nicht äußern, weil ein schwebendes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hamburg gegen sie laufe. Zugleich sei eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt worden, ein unabhängiges Gutachten zu den Vorkommnissen zu erstellen. Die bisherige Praxis, Mitarbeiter über Mini-Jobs zu beschäftigen und diesen Kräften zusätzliche Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Tätigkeit zu zahlen, werde es „ab sofort nicht mehr geben“.
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1 Kommentar
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Henry Morgenthau aus Altona | 07.12.2011 | 16:30  
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