Beruf: Hebamme

Sonja Heilmann (l.) und Marei Heimburger: „Eine gute Hebamme ist die wichtigste Beraterin einer Schwangeren.“ Foto: calvi

Warum zwei junge Frauen ihre eigene Praxis eröffneten – ein Interview

Jenifer Calvi, Eimsbüttel

In Eimsbüttel gibt es immer mehr Kinder. Sonja Heilmann (36) und Marei Heimburger (34) begleiten künftig die neue Generation der waschechten Eimsbütteler rein ins Leben: Die beiden haben eine Hebammen-Praxis im Stadtteil – in der Armbruststraße 9 – eröffnet. Im Wochenblatt-Interview erzählen sie, warum ihr Beruf eine Berufung ist und was sie maßlos ärgert.

Hat Eimsbüttel nicht schon genug Hebammen?
Im Gegenteil. Es gibt eher zu wenig. Das liegt unter anderem daran, dass der Beruf der Hebamme in der Politik so stiefmütterlich behandelt wird. Er wird quasi kaputt gespart. Die Zahl der Auszubildenden ist drastisch zurückgegangen. Dabei ist eine gute Hebamme die wichtigste Beraterin einer Schwangeren. Das, was sie leis-tet, kann kein Arzt und auch keine beste Freundin.

Wie gut werden selbstständige Hebammen denn bezahlt?

Nur ein Beispiel: Für eine Stunde Rückbildungskurs zahlt die Krankenkasse einer Hebamme 6,80 Euro brutto pro Frau. Davon gehen noch Steuern, Versicherung und Miete ab. Da kann man noch so sparsam sein – es rechnet sich nicht. Wir fangen die Lücke mit unseren Zusatzleistungen auf, die privat bezahlt werden. Die Politik möchte die Schwangeren im Krankenhaus sehen, das ist für sie wirtschaftlicher.

Sie selbst waren beide in großen Kliniken angestellt. Warum sind Sie dort nicht geblieben?
Der Beruf der Hebamme ist für uns der Schönste überhaupt. Vorausgesetzt, man hat Zeit für eine Schwangere oder Gebärende und ihr Baby. In Kliniken betreut eine Hebamme mehrere Gebärende – aber sie kann sich nicht zerteilen! Da macht sich der Personalmangel bemerkbar. Es ist oft nicht möglich, in Ruhe auf die einzelnen Gebärenden einzugehen, was zu hohen medizinischen Interventionsraten führt und zu teils unschönen Geburtserlebnissen. Hebammen und Schwangere/Gebärende macht dies sehr unzufrieden.

Sind die Mütter von heute anders drauf als die Mütter von früher?
Wir denken schon. Heutzutage wird alles im Internet nachgelesen. Wir sind gewohnt, zu funktionieren und zu kontrollieren, erwarten für jedes Problem eine Lösung. Viele setzen auf Statistiken statt aufs Bauchgefühl. Das ist schade, weil eine Schwangerschaft heutzutage für eine Frau meist etwas Besonderes ist. Die Freude kommt zu kurz. Das war früher bestimmt nicht so extrem.

Ihr persönlicher Tipp an alle Schwangeren da draußen?
Kümmern Sie sich hier im Bezirk möglichst früh um eine gute Hebamme. Die Kurswartelisten sind lang. Und hören Sie in der Schwangerschaft viel mehr auf Körper und Bauch. Der erste Impuls, den Sie haben, ist meist der Richtige!

Hebammen
Hebammen begleiten Frauen und ihr Kind vor, während und nach der Geburt. Sie kümmern sich zum Beispiel um Vorsorgeuntersuchungen, die Betreuung im Wochenbett, um Still- und Gesundheitsberatung oder auch um Trauerbegleitung.
❱❱ www.hebammenpraxis-eimsbuettel.de
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