Bereit für Neues?

Ein Vorschlag: Gedämmte Fassade ganz in Weiß an einem Grindelhochhaus. Foto: pr

Diskussion: Ein Architekt wirbt für Lust auf Veränderung

Carsten Vitt, Eimsbüttel

Hamburger lieben ihre Stadt – so wie sie ist. Und sie soll bitte schön so bleiben, meinen viele. In Eimsbüttel sind Altbauwohnungen besonders beliebt, am besten mit Dielen und Stuck. Gründerzeitfassaden gelten als schick. Wird ein altes schönes Haus abgerissen, protestieren und trauern viele Bürger. Alt ist in. Die meisten Neubauten gelten hingegen als hässlich, einförmig und seelenlos.
Der Architekt Christian Hajda rätselt, warum Hamburger so am Gewohnten hängen. „Etwas Neues wird von vornherein als negativ empfunden. Es herrscht regelrecht eine Abneigung gegen Veränderung“, hat er festgestellt.
Dabei war doch auch das heute Alte irgendwann mal neu und ungewöhnlich, argumentiert er. „Letztendlich wurde etwas Neues geschaffen, und jetzt lieben wir es und wollen es nicht mehr hergeben. Es wurde sich getraut, neue Orte und Bauwerke zu erschaffen, vielleicht auch mal Fehler zu begehen, darüber zu stolpern und daraus zu lernen“, so Hajda.

Er findet, dass sich Hamburg und seine Bürger ruhig mal was trauen, sich auf neue Dinge einlassen sollten. Rauskommen aus der „Komfort-Zone.“ „Wenn wir stehenbleiben wo wir sind, welche Zukunft hat unsere Stadt? Wollen wir ein schöner restaurierter Oldtimer werden, den alle für alle Zeiten als schön empfinden sollen? Ich glaube nicht, dass das funktioniert.“
Als Beispiel, wie etwas Altes anders und dennoch gut aussehen aussehen könnte, hat er die Grindelhochhäuser ausgewählt. Die 70 Jahre alten Gebäude sind die ersten Hochhäuser, die im Nachkriegsdeutschland gebaut wurden. Sie stehen unter Denkmalschutz. Schon von weitem sind die markanten Bauten an ihrer gelben Klinkerfassade zu erkennen.
Hajda hat den Häsuern am Computer zwei neue Fassaden verpasst: einmal mit rotem Klinker, einmal mit einer weißen Wärmedämmung. „Wäre das eine Schande für die Nachwelt oder ein Segen? Oder einfach völlig egal?“, fragt er.

Grindelhochhäuser
Die Grindelhochhäuser in Eimsbüttel sind ein Ensemble von zwölf Gebäuden mit acht bis 14 Stockwerken. Sie wurden ab 1946 in einer Grünanlage zwischen Harvestehude und Eimsbüttel gebaut und zehn Jahre später fertiggestellt. Die Häuser gelten als typische Bauten der Nachkriegsmoderne. In den größtenteils von der Saga verwalteten 2.000 Wohnungen leben etwa 3.000 Menschen. CV
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