Baumspenden – nur eine Alibi-Aktion?

Stattliches Grün macht Freude: Dafür sollen die Bürger nun spenden. Wälzt die Stadt so Verantwortung ab? Foto: cv
Bäume, Parks und Grünflächen sind den Bürgern lieb und teuer. Da dachte sich die Stadt, man kann die Hamburger doch mal ins Boot holen. Mit der Aktion Baumspende. So gehts: Der Bürger gibt einen bestimmten Betrag für einen bestimmten Baum. Sind 500 Euro zusammengekommen, legt die Stadt nochmal dieselbe Summe drauf, um das Gehölz zu pflanzen. Laut Umweltbehörde waren Ende August 336 neue Straßenbäume bereits gesichert. An 2.300 soll nachgepflanzt werden – der Senat verspricht, die symbolische Zahl von 2.011 Bäumen zu finanzieren.
Die Spendenlage in Eimsbüttel: Fünf von 39 möglichen Pflanzungen waren finanziert. Besser siehts für Hoheluft-West auch nicht aus: Dort ist bisher einer von sieben gesichert. Stellingen hat eine hohe Trefferquote: Der einzige Spendenbaum kann gepflanzt werden!
Wie auch immer die Zahl am Ende lauten wird: Die Stadt muss einiges nachholen. Denn es wurde in den vergangenen zehn Jahren mehr abgeholzt als nachgepflanzt. Fast das gesamte für neue Straßenbäume vorgesehene Geld floss in den Erhalt bestehenden Grüns. So erklärt Volker Dumann, Sprecher der Umweltbehörde, die Lage.
Ebenso die Situation in Eimsbüttel: Laut Bezirksamt wurde seit 2003 der Etat für neue Bäume zur Pflege alter aufgebraucht. 2009/2010 stellte die Bezirksversammlung 115.000 Euro zur Verfügung, um nachzupflanzen. Dieses Jahr setzt der Bezirk auf die Spendenaktion der Umweltbehörde. Immerhin zeigt die Bilanz etwas nach oben: Wurde 2009 und 2010 mehr abgeholzt als nachgepflanzt, sind 2011 bisher mehr neue Bäume gesetzt als umgehauen worden (siehe Kasten).
Ob das so bleibt, hängt weiterhin vom Geld ab. Ist die ganze Aktion also eine durchschaubare Nummer, um die Bürger erledigen zu lassen, was die Stadt nicht hinkriegt – nämlich ausreichend Bäume nachzupflanzen? Behördensprecher Dumann verneint das: „Den Löwenanteil von gut zwei Millionen Euro zahlt die Stadt selbst.“ Und mit der Aktion solle gezeigt werden, dass „man Stadt nur mit den Bürgern und deren Engagement für ihr Wohnumfeld gestalten, entwickeln und verwalten kann“.


Gefällt - nachgepflanzt: Statistik für Eimsbüttel

Straßenbäume:
gefällt nachgepflanzt
2008 123 169
2009 125 96
2010 93 45
2011 119 162

Parkbäume
2008 86 4
2009 33 2
2010 73 11
2011 47 0

Quelle: Bezirksamt Eimsbüttel, Abteilung Stadtgrün
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