Bauen bis in den letzten Winkel?

Die Baugrube für den Neubau ist bereits ausgehoben: Dem Haus von Christian Engel (im Hintergrund) droht die komplette Verschattung. „Wenn die das durchziehen, ist bei mir Feierabend“, sagt er. Foto: cvs

Nach Kirchenabriss im Basselweg: Nachbar hält neues Gebäude für zu massiv

Ch. v. Savigny, Stellingen

Die Balkone von Christian Engels Haus gehen nach Süden raus. Erst vor vier Jahren hatte der Besitzer eines kleinen, eher niedrigen Altbaus im Gazellenkamp diese anbringen lassen, um mehr Frischluft und Sonne zu haben. Doch nun droht dem Stellinger Gartenidyll das Aus: Denn auf dem benachbarten Gelände der Neuapostolischen Kirche im Basselweg sollen 24 Wohnungen mit Arztpraxis und Tiefgarage entstehen.
Laut Bauplan wird der dreistöckige Bau bis zu drei Meter an die Grundstücksgrenze heranreichen – bei einer Gebäudehöhe von zwölf Metern. „Als ich die Pläne gesehen habe, bin ich fast hintenüber gefallen“, sagt Engel. So werde unter anderem die erlaubte Geschossflächenzahl – die das Verhältnis zwischen Grundstücksfläche und späterer Fläche aller Vollgeschosse regelt – um etwa das Doppelte überschritten. „Man hat eher das Gefühl, einem aggressiven Bauträger gegenüber zu stehen, denn einer dem Gemeinwohl verpflichteten Kirche!“, klagt Engel.
Rückblick: Im Jahr 2012 hat die Stellinger Neuapostolische Gemeinde mit den Nachbarkirchen Eidelstedt und Schnelsen fusioniert. Jahrelang diente das Gotteshaus am Basselweg als Veranstaltungszentrum, bevor es letzten Monat abgerissen wurde. Nach Auskunft der Neuapostolischen Kirche Nord- und Ostdeutschland (NAK Nordost) sollen Mietwohnungen entstehen.
Kirche plant 24 Wohnungen, Bauantrag noch nicht gestellt
Zum Vorwurf des Nachbarn erklärt NAK-Sprecher Björn Renz knapp: „Gebaut wird gemäß Baugenehmigung.“ Termine zu Baubeginn und -ende könne er zum aktuellen Zeitpunkt nicht nennen.
Tatsächlich wurde laut Bezirksamt Eimsbüttel bislang nur ein Vorbescheid beantragt. „Dieser ermöglicht eine Wohnbebauung mit der Auflage, auch geförderten Wohnungsbau (gemeint sind Sozialwohnungen, d. Red.) zu realisieren“, sagt Amtssprecher Philipp Passera. Der abschließende Bauantrag liege noch nicht vor. „Wie groß der dann beantragte Baukörper sein wird und welche Geschossflächenzahl dann tatsächlich genehmigt wird, wird im dann anstehenden Baugenehmigungsverfahren geklärt werden“, so Passera.
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