Ballermann in der Schanze – rechtsfreier Raum?

„Rechtsfreier Raum“? Tagsüber wird die „Piazza“ am Schulterblatt von Schanzen-Touristen genutzt, abends lassen viele Jugendliche mit billigem Alkohol die Sau raus – viele Anwohner sind mittlerweile völlig entnervt. (Foto: rs)

Anwohner genervt von nächtlicher Partyszene – aber wie wirds ruhiger?

Reinhard Schwarz, Sternschanze – "Das ist hier wie Ballermann 6.“ Wenn Ingrid Bernhard, Anwohnerin der Rosenhofstraße, morgens mit ihrem Hund nach draußen geht, macht sie sich Sorgen um den Vierbeiner: „Überall liegen kaputte Flaschen.“ Viele alteingesessene Bewohner des Schanzenviertels fühlen sich nicht mehr wohl, seitdem die Partyszene sich rund um die Uhr etabliert hat. Die Folge: nächtlicher Lärm, betrunkene Jugendliche in den Hausaufgängen und Treppenhäusern und Vermüllung.
„Die Leute haben uns schon in den Hauseingang gekotzt oder ins Tiefparterre gepinkelt“, erzählt Geronimo Murthy (18). „Sonntagsmorgens ist die Schanze völlig verdreckt“, so der Schüler. Seine Mutter, Biggie Murthy, die seit 34 Jahren in der Rosenhofstraße wohnt, fühlt sich dort nicht mehr wohl. Lärm komme von einer benachbarten Kneipe und der „Piazza“ am Schulterblatt.
Da viele Jüngere die hohen Preise in den Kneipen und Gaststätten nicht bezahlen können, besorgen sie sich ihren Alkohol von den rund um die Uhr geöffneten Kiosken oder den Supermärkten, die teilweise bis 23.30 Uhr geöffnet haben. Es wird „vorgeglüht“: Billiger Alkohol wird konsumiert, um Geld zu sparen. Viele Anwohner haben resigniert. „Ich habe das Gefühl, das hier ist ein rechtsfreier Raum“, sagt Ingrid Bernhard.
Die Bezirkspolitik will nun gegensteuern. So wird überlegt, die Kioske stärker in die Pflicht zu nehmen. Weiterhin sollen gesetzliche Regelungen wie die Gewerbeordnung, das Baurecht und der Jugendschutz strenger gehandhabt werden.
Darüber hinaus soll der – chronisch unterbesetzte – Bezirkliche Ordnungsdienst (BOD) verstärkt tätig werden. Laut Sven Hielscher (CDU) sei auch eine Änderung des Bebauungsplans auf den Weg gebracht worden: „Damit die Gastronomie nicht weiter expandiert.“
Doch wie weit greifen diese Maßnahmen? Thomas Adrian, Fraktionschef der Altonaer SPD, ist skeptisch: „Gegen die Menge der Leute kann man nichts machen, da gibt es keine Handhabe. Das ist das Problem.“
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