Bald verschwindet ein Stück altes Eimsbüttel

Die Ecke Schulweg / Eichenstraße auf einer Postkarte aus den 60er Jahren: Links die Konditorei Lehfeldt, daneben das Wohnhaus von 1880. Damals war der Schulweg noch keine stark befahrene Ringstraße, es gab noch breitere Gehwege und Bäume in der Mitte der Straße. (Foto: pr)

Schulweg / Eichenstraße: Gründerzeithäuser müssen für einen Neubau weichen

Bretter liegen auf einem großen Haufen gestapelt, die Backstube der ehemaligen Konditorei Lehfeldt ist schon abgerissen worden. Bald geht es drei alten markanten Häusern ans Gemäuer: Die Ecke Schulweg / Eichenstraße verändert ihr Gesicht. Es entsteht ein Neubau mit 36 Mietwohnungen. Wieder verschwindet ein Stück altes Eimsbüttel.
„Das ist traurig, wir kennen hier jeden Nagel mit Vornamen, wir sind als Kinder in der Back-stube groß geworden“, sagt die Bauherrin von der Familie Lehfeldt. Aber der Erhalt der alten Häuser wäre zu aufwendig und teuer gewesen. Deshalb entschlossen sich die Eigentümer zu einem Neubau.
Um 1880 wurden die Häuser Eichenstraße 33 und Schulweg 47 gebaut: Spitzdach, Stuckverzierungen an den Fassaden, klein, zweigeschossig, im Landvillenstil. Zu dieser Zeit erholten sich Städter noch an der guten Luft in Eimsbüttel. Gegen-über, in der Eichenstraße 34, war gerade die Nervenheilanstalt Eichenhain eröffnet worden, Vorläufer des späteren Michaelis-Krankenhauses. Vor ein paar Jahren wurde es abgerissen. Nun steht dort ein moderner, hoher Gebäuderiegel mit viel Glas – nicht jedermanns Sache im Viertel. Viele fragen sich: Wird der Neubau gegen-über genauso austauschbar aussehen?
„Wir wollen einen modernen Klassiker bauen, die Fassade soll sich an die Altbauten rundherum anpassen“, beteuert die Eigentümerin. So seien beispielsweise altbautypische Vorsprünge (Risaliten) sowie Klinkerelemente in Rot und Gelb vorgesehen. Es soll auf alle Fälle anders aussehen als die heutigen Standardfassaden bei Neubauten. Das Gebäude wird komplett barrierefrei (drei Fahrstühle), bekommt eine Tiefgarage mit 26 Parkplätzen. Sechs Geschosse hoch wird das Haus am Schulweg, zur Eichenstraße hin etwas niedriger. Dort wird gewissermaßen um ein Naturdenkmal herumgebaut: Eine etwa 130 Jahre alte Blutbuche vor dem Haus muss erhalten werden.
Der Abriss der alten Häuser soll etwa acht Wochen dauern. Mit dem Neubau wird etwa im April begonnen. Voraussichtlich Mitte 2014 soll das neue Haus fertig sein.

Ecke mit Tradition


Seit mehr als 100 Jahren im Familienbesitz: 1901 kaufte Johannes Lehfeldt das Haus am Schulweg 45, um dort ein Café zu eröffnen. Die Backstube war hinter dem Haus. Ein paar Jahre später erwarb der Firmengründer auch das Haus Eichenstraße 33. Hier wohnten bis zuletzt Familienmitglieder. Jürgen Lehfeldt führte den Betrieb in dritter Generation bis 2006, dann schloss er.
Im Neubau enstehen im Erdgeschoss Flächen für drei Geschäfte. Die Familie wünscht sich, dass darunter auch wieder ein Café oder eine Konditorei ist – so wie seit mehr als 100 Jahren.
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