Bald nur noch große Ketten in der Schanze?

Sie schließen ihren Laden, weil sie die drastisch erhöhte Miete nicht mehr bezahlen konnten und wollten: Dag und Carsten Lübke von den „Wohngeschwistern“. (Foto: cvs)

Reaktionen auf die Schließung der „Wohngeschwister“ an der Schanzenstraße

Das Schanzenviertel regt sich auf: Die Schließung des Kultladens „Wohngeschwister“ bringt viele auf Zinne. Das Einrichtungsgeschäft an der Schanzenstraße macht im März zu – die Miete sollte um gut 65 Prozent steigen.
Unverblümt kommentieren hunderte Leser das Aus in sozialen Netzwerken: „Krass“, „Frechheit“, „Traurig“ sind noch milde Reaktionen. „Demnächst besteht die Schanze nur noch aus großen internationalen Ketten!“, befürchtet ein
Leser.
Dag und Carsten Lübke schließen ihren Laden schweren Herzens. „Viele Kunden sind tief bestürzt, wir bekommen viel Zuspruch. Es freut uns, dass Leute sagen: ,Ihr fehlt uns’.“ Die Miete sollte von aktuell 13,61 Euro auf 23 Euro kalt pro Quadratmeter steigen. Das konnte der Laden nicht mehr tragen.
Der Vermieter, die Verwaltungsgesellschaft für Grundbesitz (GON), verteidigt sich gegen die Kritik der Mietentreiberei. Laut Geschäftsführer Daniel Benoit suchten die Lübke-Brüder selbst voriges Jahr wegen Problemen das Gespräch mit dem Verwalter. Die Lübkes klagten ihrer Aussage nach über Umsatzeinbußen wegen der jahrelangen Baustelle in der Schanzenstraße.
GON habe dann den Markt sondiert und fand heraus: Die Preise im Schanzenviertel liegen deutlich über dem, was der Möbelladen zahlt. Das stimmt durchaus, wie auch Experte Marc Meyer von Mieter helfen Mietern bestätigt (siehe Interview). Warum die Gespräche über eine Fortsetzung des auslaufenden Vertrags platzten, bleibt offen.
GON nehme nicht Höchstpreise, betont Benoit: „Wir quetschen die Geschäfte hier nicht aus. Uns ist nicht geholfen, wenn ein Laden ein tolles Konzept hat, aber nicht läuft, weil die Mieten zu hoch liegen.“ GON verwalte zudem auch 300 geförderte Wohnungen im Schanzenviertel mit verträglichen Mieten.
Fakt ist: Die Wohngeschwis-ter machen Mitte März zu, weil sie sich die geforderte erhöhte Miete nicht mehr leisten können und wollen. Der kleine Ableger „Wohngeschwisterchen“ am Schulterblatt bleibt derweil bestehen.
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