Bahn in den Westen: Varianten im Vergleich

U-Bahn nach Osdorf (Fotomontage): Die Strecke der U5 Nord hat gute Chancen, mit Geld vom Bund gefördert zu werden. Foto: Christian Hinkelmann / Bahn-Bus-Bilder.de

U-Bahn über Stellingen oder S-Bahn über Bahrenfeld?

Carsten Vitt, Hamburg-West

Eine Vorentscheidung für eine neue Bahnstrecke in den Hamburger Westen ist gefallen (das Elbe Wochenblatt berichtete), nun wird über die verbliebenen beiden Varianten diskutiert. Der Hamburger Senat lässt bis Ende 2018 prüfen, ob eine U-Bahn von Lokstedt über Stellingen in den Osdorfer Born (U5 Nord) oder eine S-Bahn von Altona-Nord über Bahrenfeld in den Born (S32 Süd) gebaut wird. Das Elbe Wochenblatt erklärt, was jeweils für und gegen die Varianten spricht.
Zwei Kriterien spielen dabei eine besonders große Rolle: der wirtschaftliche Nutzen und städtebauliche Vorteile. Wirtschaftliche Aspekte sind vor allem Kosten für Bau und Betrieb und Vorteile im Verkehrsnetz. Da wird zum Beispiel untersucht, wie eine neue Linie zusätzliche Nutzer anlockt, Fahrzeiten in die Zentren verkürzt, Umsteigemöglichkeiten bietet, und ob eine neue Strecke Autofahrer dazu bringen kann, auf den öffenlichen Personennahverkehr (ÖPNV) umzusteigen.
Zum anderen untersuchen Planer, welche städtebaulichen Auswirkungen eine neue Linie hat. Konkret: Wie viele Menschen in welchen Wohn-, Geschäfts- oder Freizeitgebieten werden damit erreicht?
U5 Nord hat Vorteile
für das Verkehrsnetz

Nach der jetzigen Einschätzung hat beim wirtschaftlichen Vergleich die U5 Nord deutliche Vorteile: Laut Verkehrsbehörde (BWVI) sei die geplante Linienverlängerung vom Siemersplatz in Lokstedt in den Westen mit vergleichsweise geringem Aufwand zu bauen und benötige am wenigsten zusätzliche Fahrzeuge, heißt es.
Zudem gebe es wegen kürzerer Reisezeiten und Anschlussmöglichkeiten zu bestehenden Bahnlinien eine große Chance, viele Menschen zum Umstieg vom Auto auf den ÖPNV zu bewegen.
Ein Nachteil dieser Trasse ist, dass Neubaugebiete in Bahrenfeld und Altona nicht direkt angebunden werden.
S32 Süd bringt mehr
für neue Wohngebiete

Dies leistet hingegen die südliche S-Bahn-Trasse, deren Strecke an der Trabrennbahn und an DESY vorbeiführen würde. Zudem gibt es deutliche Vorteile für den Osdorfer Born und Lurup, die über kürzere Reisewege näher an das Altonaer Bezirkszentrum heranrücken. Bei dem wirtschaftlichen Nutzen schneidet die S-Bahn vorläufig schlechter ab, da insgesamt weniger Autofahrer zum Umsteigen bewegt werden könnten als bei der Nordstrecke. Allerdings ist die Linie S32 Süd mit einem vergleichsweise geringen Aufwand zu realisieren.
Kurz gesagt: Für die U5 Nord spricht, dass sie das Verkehrsnetz am besten erweitert und vielen Nutzern eine gute Alternative zum Auto bieten kann.
Für die S32 Süd spricht vor allem, dass sie neue Wohngebiete in Bahrenfeld gut erschließt.

Finanzierung
Was sind Kriterien, damit der Bund den Bau fördert?
Wichtige Größen sind laut BWVI der verkehrliche Nutzen (Fahrtzeit-/Reisezeitgewinne, Netzwirkung) sowie Betriebs- und Investitionskosten. Daraus wird insgesamt ein Nutzen-Kosten-Quotient errechnet, der über 1,0 liegen muss. Dieser Quotient wird für beide Strecken noch errechnet. Schätzungen zu Kosten gibt es derzeit noch nicht.

Ist die U5-Strecke bis Lokstedt schon sicher?
Nein. In den Streckenplanungen wurde bisher eine U-Bahn bis Lokstedt/Siemersplatz vorausgesetzt. Über deren Bau liegen aber bisher keine Kosten- und Nutzenschätzungen vor.


Bezirkspolitiker aus Altona machen sich stark für eine S-Bahn

Hamburg-West. Die Sozialdemokraten in Altona und in der Bürgerschaftsfraktion wollen erstmal abwarten, was in knapp zwei Jahren die Studien zu den beiden ausgewählten Strecken hergeben. Bis dahin soll aus SPD-Sicht nicht weiter über Vor- und Nachteile der Streckenvarianten diskutiert werden. Die Grünen in Altona halten davon offenbar nichts: Sie nennen ihren Favoriten, wie zuvor schon die CDU.
„Nach zahlreichen Gesprächen und Veranstaltungen sehe ich (...) bereits jetzt große Anhaltspunkte für eine Entscheidung zu Gunsten der Südtrasse“, sagt Grünen-Kreisvorsitzende Filiz Demirel. „Viele Menschen in den westlichen Stadtteilen machen sich tagtäglich auf den Weg nach Altona – zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Bahnhof. Darüber hinaus werden Projekte wie der neue Fernbahnhof, die Erweiterung des DESY-Campus und die Wohngebiete in Bahrenfeld dafür sorgen, dass über kurz oder lang neue Ideen für den Nahverkehr in diesen Bereich benötigt werden. Eine Anbindung ans S-Bahn-Netz wäre mit Sicherheit die beste Lösung.“
S-Bahn wäre schneller zu bauen als die U-Bahn
Für diese Strecke macht sich auch die Verkehrsinitiative „Starten: Bahn West“ stark. Denn eine S-Bahn sei auch schneller zu bauen. Die U-Bahn würde vermutlich erst in gut 20 Jahren zum Born fahren. Aber der Stadtteil wartet ja bereits seit mehr als 40 Jahren auf einen Schnellbahnanschluss. CV

BAHNPLÄNE

Länge der geplanten Linie U5: Etwa 30 Kilometer
Kosten (geschätzt):
2,4 bis 3,6 Milliarden Euro
Baubeginn: Etwa 2020
Bauzeit (gesamt):
15 bis 20 Jahre

Variante U5 Nord: Lokstedt, Stellingen, Arenen, Lurup, Osdorfer Born

Variante S32 Süd: Fernbahnhof Diebsteich, Bahrenfeld/Volkspark, Lurup, Osdorfer Born

Eine Machbarkeitsstudie soll bis Ende 2018 die Entscheidung für eine Trasse vorbereiten.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.