Bäume abgeholzt – warum bloß?

Proteste gegen Baumfällung an der Unnastraße: Anwohner fühlen sich von der Behörde übergangen. Foto: Gisela Schröder
  Hamburg: Ecke Im Gehölz / Unnastraße |

Streit um die Verlegung der Bushaltestelle Goebenstraße: Verkehrsbehörde erklärt die Gründe

carsten vitt, eimsbüttel

Vier Bäume wurden an der Ecke Im Gehölz / Unnastraße gefällt, um eine Bushaltestelle hinter eine Ampel zu verlegen und so die Busse schneller vorankommen zu lassen. Anwohner und Politiker protestierten dagegen – zumal es laut einem Gutachten nur ein paar Sekunden Zeitgewinn bringe. Das Elbe Wochenblatt hat nachgefragt bei Richard Lemloh, Sprecher der Verkehrsbehörde (BWVI).

Die Verlegung der Haltestelle Goebenstraße hinter die Ampel wurde in einer Vorstudie als nicht sinnvoll bezeichnet. Warum wird es trotzdem gemacht?

Richard Lemloh: Weitere detaillierte Prüfungen haben ergeben, dass die grundsätzliche Lage der Haltestelle hinter der Ampel sinnvoll ist: In dem Bereich von der Gärtnerstraße bis zur Osterstraße können so bis zu 50 Sekunden gespart werden. Eine Haltestelle direkt an der Bordsteinkante hat die Polizei ausgeschlossen.

In der Vorstudie ist die Rede von maximal elf Sekunden, die der Bus gewinnen kann – wie kommen Sie also auf 50 Sekunden?

Lemloh: Der Bus fährt auf den Knoten Unnastraße zu. Dort hat er grün und kann jetzt über die Kreuzung fahren und dort die Fahrgäste ein- und aussteigen lassen. Wenn er wieder abfahrbereit ist, muss er nicht anhalten, die Autos hinter ihm haben aber immer noch rot. Gewinn: 23 Sekunden. Dann fährt er weiter bis zur Kreuzung Osterstraße. Dort trifft er jetzt auf eine rote Ampel, aber die Haltestelle liegt ja vor der Kreuzung. Er lässt seine Fahrgäste aussteigen und kann dann bei grün weiterfahren. Hier also der Gewinn von 27 Sekunden.

Haltestellen werden grundsätzlich hinter Ampeln verlegt, die Haltestellen Osterstraße/ Schulweg bleiben aber beide vor der Ampel. Warum?

Lemloh: Generell ergibt es meistens Sinn, die Haltestellen hinter die Ampeln zu verlegen. Die Kreuzung Schulweg / Osterstraße ist aber eine der Ausnahmen. Aufgrund des starken Verkehrs auf der Osterstraße hat der Verkehr an der Kreuzung ähnlich lange Rot- und Grünphasen wie der Verkehr auf dem Ring 2. Es ist deshalb bei diesem unvermeidbaren „Rot“ auf dem Ring besser, wenn der Bus vor der Kreuzung die Gäste ein- und aussteigen lässt, als dass er erst vor der roten Ampel hält und sich dann nach der Ampel noch mal in eine Bushaltebucht ein- und ausfädeln muss. Deswegen macht es hier keinen Sinn, die Haltestelle hinter die Kreuzung zu verlegen.



Pläne demnächst
öffentlich
Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) will ab Frühjahr 2017 seine Straßenplanungs-Arbeiten auf seiner Website veröffentlichen. Dazu gehören dann die Pläne und der Erläuterungsbericht der jeweiligen Umbauten. So könnten die Gründe für alle Interessierten nachvollziehbarer werden. Der LSBG versuche bei möglichst vielen Projekten, die Anlieger und Gewerbetreibenden ganz früh zu informieren und auch deren Ortskenntnisse einzuholen. „Grundsätzlich ist es jedoch ein Irrtum, dass sich Bürger immer am Hauptstraßen-Planungsprozess beteiligen können in dem Sinne, dass sie auch entscheiden können. Die Entscheidung wird beim LSBG gefällt, der auch die Verantwortung für eine Lösung trägt, die unter Abwägung aller Interessen dem Gemeinwohl am ehesten entspricht“, so Sprecher Richard Lemloh.
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