Bäume abgeholzt – Protest ignoriert

Schritt für Schritt abgeholzt: Die alten Bäume an der Gärtnerstraße mussten den Bussen der Metrolinien 20 und 25 weichen. (Foto: Calvi)
Hamburg: Gärtnerstraße/Unnastraße |

Unnastraße: Verkehrsbehörde lässt drei stattliche Linden für eine Bushaltestelle fällen

Jenifer Calvi, Eimsbüttel

Nun sind sie Kleinholz, nur noch Sägespäne. Insgesamt vier mächtige Bäume wurden an der Unnastraße/Ecke Gärtnerstraße gefällt, damit eine Bushaltebucht ein paar Meter verlegt werden kann und die Busse der Linien 20 und 25 künftig schneller voran kommen. Die Stadt setzt hier ihr Programm zur „Busbeschleunigung“ durch.
Für die Bewohner der alten roten Villa an der Unnastraße 1 ein Unding. „Wir haben seit Monaten gegen die Baumfällung protestiert, standen mit den zuständigen Leuten beim Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer in Kontakt. Erst wurden wir vertröstet, dann hieß es plötzlich: ,Morgen rollen die Baumfäller an’. Schlimm, so gar nicht ernstgenommen zu werden“, erzählen sie. Der Hausgemeinschaft droht sogar noch eine Anzeige. Weil sie in einer Art Mini-Demo versucht hatten, das Personal der Straßenbaugesellschaft LSBG davon abzuhalten, die Bäume abzusägen.
Wo einst prächtige und haushohe Linden standen, ist nur noch der Ausblick auf die
nackten Hausfassaden zu sehen. Das schmerzt nicht nur die Hausbewohner, sondern viele Eimsbütteler und Autofahrer, die hier täglich entlang fahren. Schließlich gilt der Bezirk als die „grüne Lunge“ der Innenstadt. Abgesehen davon filtern vier alte Bäume, einer davon war über 90 Jahre alt, nachweislich jede Menge Schadstoffe aus der Luft.
Die Hausbewohner hatten einen Anwalt eingeschaltet, doch am Tag der Fällung war offenbar niemand der Verantwortlichen aus der Verkehrsbehörde zu erreichen. Auch Mitglieder der Grünen-Fraktionen und der Linken versuchten, noch etwas zu erreichen. Erfolglos.
Linksfraktionssprecher Jürgen Kahlert sagt, was alle denken: „Der LSGB sollte den eigenen Slogan ,Stadtbäume – das grüne Herz der Stadt’ ernst nehmen. Der Verlust von wertvollem Baumbestand und die Beeinträchtigung der Anwohner durch mehr Lärm und Schadstoffemission stehen in keinem Verhältnis zur Notwendigkeit einer Verlegung der Bushaltebucht.“

Das sagt die Behörde

Warum muss die Busbucht ausgerechnet da hin? „Haltestellen werden heutzutage grundsätzlich nach der Kreuzung angeordnet, damit der Bus gleich losfahren kann, wenn der letzte Fahrgast ein- oder ausgestiegen ist. Hier bedeutet dies circa 50 Sekunden Zeitgewinn pro Bus“, erklärt Susanne Meinecke, Sprecherin der Verkehrsbehörde. Gab es keine Alternativen? „Wir haben drei weitere Standorte geprüft, der jetzt gewählte Standort erwies sich unter Würdigung aller Aspekte als der Günstigste“. Die Hausgemeinschaft Unnastraße 1 möchte jetzt zumindest erreichen, dass die neue Haltestelle nicht direkt vor ihren Schlafzimmerfenstern gebaut wird.

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Betreff: Bäume
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1 Kommentar
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Marion Meinold aus Eimsbüttel | 22.11.2016 | 20:16  
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