Autor Hans Herbst: Der Meister der Zwischentöne

Ein Fan von Pfeifen, Büchern und guten Geschichten: Der Autor Hans Herbst in seiner Wohnung in Eimsbüttel. Foto: cv

Kauziger Eimsbütteler Autor wird am 22. September 70 Jahre alt

Beim Erzählen kommt er in Fahrt. Die Hände zeichnen Wellen und Linien in der Luft, die tiefe Stimme schwärmt und schwelgt. Die Augen leuchten hinter der Nickelbrille in dem schmalen Gesicht. Cuba, Salvador, Strände, Sonne, Frauen, Musik, Abenteuer. Willkommen in der Welt des Autors Hans Herbst. In St. Pauli wurde er 1941 geboren, und reiste später viel in der Welt umher. Seit knapp zwanzig Jahren wohnt er in Eimsbüttel. „Aber ich gehöre hier nicht her.“ Er schenkt sich Whisky ein, Rauchwölkchen steigen von der Pfeife auf.
Herbst ist ein Meister der Zwischentöne. Seine Texte sind eindringlich, seine Sprache präzise. Er hat ein feines Gespür für Gesten und Nuancen. Mit ein paar Sätzen entwirft er Szenen, die den Leser gleich packen. Herbst schreibt Geschichten, die immer eine Spur hintersinnig sind. Da bricht in das Liebesgeplänkel zweier Afrikaner in der U-Bahn der stumpfe Rassismus ein. Da werden in einer Bar die großen Lebenslügen entlarvt. Da wird so richtig rockerhaft abgeledert. Herbst zeichnet verletzliche und kauzige Typen, die in den Wellen des Daseins hin und her schwappen, manchmal scheitern und untergehen.
Er selbst führte ein Weltenbummler-Leben. Hamburg, St. Pauli – das war ihm schon bald zu eng. „Ich wollte reisen, ich wollte weg“. Mit 15 verließ er die Schule, lernte Autoschlosser. „Ein reine Verlegenheitslehre“, um den Vater, Seemann und Malocher, einigermaßen zufriedenzustellen. 1958 brach er auf. Reiste durch Europa, nach Brasilien, Kuba, Mexiko. Irgendwann kam das Schreiben hinzu. „Ich bin nicht losgezogen, um Geschichten zu schreiben. Die kommen angaloppiert, dann nimmt man sie mit“, sagt er. Nahezu allen Erzählungen liegen persönliche Erlebnisse zugrunde.
Seine Geschichten sind auch politisch, ohne den Zeigefinger zu heben. „Das mit dem Zeigefinger habe ich einmal in einem Buch über Straßenkinder gemacht, mein Verleger hat mir das gleich um die Ohren gehauen“, sagt er lachend. Er schreibt auf, wies ist – der Leser soll daraus selbst seine Schlüsse ziehen.

Vita eines Weltenbummlers
Hans Herbst wurde 1941 in der Schmuckstraße auf St. Pauli, im damaligen Chinesen-Viertel, geboren. Der Vater war Seemann und Malocher, die Mutter Hausfrau. Der Sohn wuchs auf dem Land bei Garstedt auf. Nach einer Lehre als Autoschlosser hielt ihn nicht mehr viel in der Stadt. Er reiste durch Europa, nach Lateinamerika. Sein erstes Buch mit Erzählungen erschien 1981: „Der Cadillac ist immer noch endlos lang und olivgrün“. Er schrieb Reportagen und Porträts, unter anderem für den Playboy.
Im Pendragon-Verlag ist seit 2008 eine siebenbändige Werkausgabe erschienen, der jüngste Band mit Reportagen („Männersachen“).
Und sonst? Hans Herbst sammelt haufenweise Pfeifen, liebt Jazz-Musik und trommelt. Mit Sohn Denny werden regelmäßig die Congas in seiner Wohnung in Eimsbüttel bearbeitet. Am Donnerstag, 22. September, wird Herbst 70 Jahre alt.
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