Ausgespielt

Klar zum Entern: Leider nicht mehr. Der beliebte Spielplatz am Stellinger Steindamm wird plattgemacht. Dort entstehen Wohnungen. Foto: EW/Archiv

Stellingen: Ein Spielplatz wird plattgemacht und bleibt monatelang eine Brachfläche – warum bloß?

Carsten Vitt, Stellingen

Das Piratenschiff, das Fischerhaus, der große Kletterturm, die Schaukeln und Rutschen müssen weg. Auf einem schönen Spielplatz am Stellinger Steindamm konnten sich Kinder seit sechs Jahren ein bisschen fühlen wie an „Strand und Meer“. Demnächst ist hier gar nichts mehr. Die 3.200 Quadratmeter große Fläche wird plattgemacht.
50 Sozialwohnungen und eine Kindertagesstätte mit 120 Plätzen will die Saga hier bauen. Aber: Frühestens Ende des Jahres geht es los. Die Bauanträge sind noch nicht einmal fertig, geschweige denn eingereicht.
Trotzdem muss der Spielplatz bereits jetzt weichen. Wegen einer bürokratischen Vorschrift. Das Gelände wurde Ende 2016 von der Stadt an die (städtische) Wohnungsbaugesellschaft Saga verkauft. Eine Klausel in dem Vertrag schreibt vor, dass das Gelände geräumt zu übergeben ist. Heißt: Nichts darf mehr darauf stehen. Daher will das Bezirksamt Eimsbüttel in diesen Tagen die Spielgeräte zum Spielplatz Wunderbrunnen in Schnelsen bringen und dort wieder aufbauen lassen. In Stellingen bleibt dann nur eine Brachfläche übrig.
Anwohner, Eltern und Bezirkspolitiker versuchten noch etwas zu ändern an den Plänen. Ihr Vorschlag: Die Spielgeräte sollten doch so lange bleiben, bis klar ist, wann es mit dem Bau am Stellinger Steindamm überhaupt los geht. Erst kurz vor Baubeginn sollte die Spielfläche geräumt werden. Keine Chance. „Es ist nun einmal so, dass die vertragliche Zusicherung eine geräumte Übergabe vorsieht. Es gibt eine Ersatzlösung für die Spielgeräte an einem anderen Ort und zukünftig gibt es in unmittelbarer Nähe wieder einen Spielplatz“, sagt Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde.
Der Saga-Neubau gehört zu dem neu geplanten Quartier auf den bisherigen Sportplätzen am Sportplatzring. Dort sowie auf dem Gelände der benachbarten Stadtteilschule Stellingen (Oberstufe) und des Hauses der Jugend entstehen insgesamt 600 neue Wohnungen. Schule und Jugendhaus ziehen voraussichtlich erst 2020 um. Vorher müssen Neubauten stehen.
In dem neuen Quartier ist immerhin eine Grünfläche mit Spielplatz vorgesehen. Fertigstellung: vielleicht in fünf bis sechs Jahren. So lange gibt es für die Kinder der umliegenden Häuser keinen so schönen Spielplatz wie bisher mehr.

Umbau
Der Abenteuerspielplatz am Stellinger Steindamm wurde im Frühjahr 2011 nach einem kostspieligen Umbau neu eröffnet. Die Planer hatten sich an den Wünschen der Kinder und Jugendlichen orientiert und eine Erlebnislandschaft unter dem Motto „Meer und Strand“ entworfen. Der Umbau kostete 220.000 Euro. CV

Kommentar
Die wollten nicht. Die Saga nicht. Die Stadt auch nicht. Nur so ist es zu erklären, dass ein schöner und beliebter Spielplatz ohne Not plattgemacht wird, um dann als Brachland für mindestens acht Monate auf eine Bebauung zu warten. Sonst sind Hamburgs Behörden ungeheuer kreativ, um Bauherren noch die eine oder andere Hürde für Neubauten aus dem Weg zu räumen. Aber ein Alternativvorschlag, um einen beliebten Spielplatz vorübergehend zu erhalten, ist nichts Wert? Ignorant. Einfach ignorant.
Carsten Vitt
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