Aus für Spenda Bel in Eimsbüttel?

„Ein-Euro-Jobber“ und einfal-Mitarbeiter bei Spenda Bel, Lutterothstraße: Nicole Meschkat, Projektleiterin Katrin Werbeck, Walled Gaffar, Anleiterin Iris Dreßler und Petra Sieggelkopf (v.l.) Foto: rs

Durch Kürzungen ist das Beschäftigungsprojekt gefährdet

Von Reinhard Schwarz, Eimsbüttel – Manuela F. (Name geändert, d. Red.) ist langzeitarbeitslos, sie bezieht Hartz IV. Die 27-Jährige hat zwei Ausbildungen abgebrochen. Jetzt hofft sie auf eine Umschulung zur Veranstaltungskauffrau. „Ich weiß eigentlich erst seit zwei, drei Jahren, was ich wirklich will“, sagt sie. Doch bevor ihr die Bundesagentur für Arbeit eine Umschulung finanziert, muss sich Manuela auf Anweisung der Behörde erst in einem Projekt des Beschäftigungsträgers einfal „bewähren“. Muss zeigen, dass sie zehn Monate als „Ein-Euro-Jobberin“ bei Spenda Bel in der Lutterothstraße durchhält.
Es gibt viele Manuelas. Menschen, die Ausbildungen abgebrochen haben. Menschen, die in eine Krise geraten waren. Oder die seit Jahren keinen Job mehr finden, weil sie das „Falsche“ gelernt haben oder eigentlich gar nichts. Bei Spenda Bel finden sie wieder Orientierung. Zwölf Ein-Euro-Jobber kommen dort täglich zur Arbeit. Vor einiger Zeit waren es noch 20 bis 25. Tendenz: abnehmend.
„Die Teilnehmer lernen Warenkunde, bekommen eine Kassenschulung, lernen den Umgang mit Kunden und alltägliche Abläufe im Verkauf“, sagt Projektleiterin Katrin Werbeck. Verkauft wird gespendete Kleidung, die in einer firmeneigenen Wäscherei gereinigt und gebügelt wird. Die Kunden sind meist selbst Hartz-IV-Empfänger oder Rentner und Kleinverdiener.
Doch das Projekt ist gefährdet, sagt Werbeck. Der Grund: Die schwarz-gelbe Regierung will die Mittel für Ein-Euro-Jobs kürzen. Aktuell bekommen Beschäftigungsträger circa 250 Euro pro Jobber. Davon werden Sozialpädagogen und andere Kosten bezahlt. Doch es werden immer mehr Gelder gestrichen. 2012 sollen es nur noch 30 Euro pro Jobber sein – zu wenig, um die Betroffenen noch ausreichend betreuen zu können. „Die nächsten Monate sind noch gesichert. Doch wir wissen nicht, wie es in 2012 aussieht“, sagt Hartmut Eckert, Geschäftsführer von einfal. Derzeit laufe die Bewerbungsrunde für neue Ein-Euro-Stellen. Mit einem Ergebnis wird Ende Oktober gerechnet.
„Durch Spenda Bel bin ich wieder auf die Beine gekommen“, sagt Manuela. Für sie und andere Ein-Euro-Jobber steht viel auf dem Spiel.

Hintergrund: Ein-Euro-Jobs
Der Name ist irreführend: Bei den „Ein-Euro-Jobs“ handelt es sich nicht um eine reguläre Tätigkeit, die mit dem sprichwörtlichen einen Euro pro Stunde bezahlt wird. Vielmehr handelt es sich um eine vorbereitende Qualifizierungsmaßnahme, die es Langzeitarbeitslosen ermöglichen soll, wieder auf dem regulären Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Generell gibt es zusätzlich zu dem Arbeitslosengeld 2 (und der Miete, die das Amt bezahlt) etwa 1,40 Euro (mehr oder weniger) pro Stunde als Aufwandsentschädigung für Fahrtkosten oder zusätzliches Essen am Arbeitsplatz. Die „Jobber“ sind meist 30 Stunden wöchentlich in der Maßnahme, die nur „zusätzlich“ sein darf, also keine regulären Arbeitsplätze ersetzen darf.
Derzeit sind hamburgweit 6.150 Stellen vorgesehen, 2012 sollen es laut Sozialbehörde nur noch 3.900 sein. Viele Beschäftigungsträger fürchten daher um die Existenz von bestimmen Projekten. In Eimsbüttel, Eidelstedt und Lokstedt sind für 2012345 Stellen vorgesehen. RS/CV
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